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BERGeLEBEN

Naturzerstörung – Der Alptraum der Alpen- Eine Kritik des Tourismus im Tiroler Ötztal

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Ursula Scheiber

Moderne Seilbahnstationen auf den höchsten Gipfeln, Kunstschneeherstellung auf den schwindenden Gletschern, Wellnessanlagen, gefüllt mit dem Wasser aus dem Berginneren, und Freizeitparks in den Talebenen: Die touristischen Projekte in den Alpentälern suggerieren Fortschritt und eine Neuschöpfung angeblich besserer Lebensbedingungen. Der analytische Blick durch die Brille der Kritischen Patriarchatstheorie lässt erkennen, dass dabei für einen historischen Moment und den Profit einiger weniger die Zukunft der Bergnatur und der Menschen brutal aufs Spiel gesetzt wird. Die konkreten Beispiele aus dem Tiroler Ötztal zeigen: Die gegenwärtige Zivilisation ist nicht nur weltweit, sondern auch vor unserer Haustür dabei, unseren Lebensraum zu vernichten. Was kann getan werden, um das Bergleben nicht irreversibel zugrunde gehen zu lassen?
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Außen – Topos Gletscher

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Topos Gletscher

Der gegenwärtig stattfindende Gletscherschwund ist Ausdruck einer zerstörerischen Realität und zunehmend zerstörten Wirklichkeit.947 Die von Menschen verursachte Verknappung der Natur wird am Topos Gletscher konkret und akut sichtbar. In den Sommermonaten sind die dahin schwindenden Gletscher als kümmerliche, graue Eisreste vorzufinden, geschwächte Körper948, die zusehends an Substanz und Kraft verlieren. Das stetig abrinnende Schmelzwasser ist nicht mehr gebender Ausdruck einer lebensspendenden Fülle, sondern wird immer mehr zu einem beschleunigt entstehenden, dem lebendigen Gletscher seine Kräfte beraubenden Endprodukt. Das Gletschereis sowie das Schmelzwasser geraten in die objektivierende, kapitalistisch-patriarchale Ausbeutungsmaschinerie und werden dem lebendigen Zusammenhang, dem sie entstammen, entrissen.949 Einem entfremdeten und entfremdenden Naturverhältnis Rechnung tragend, beobachtet und analysiert die Naturwissenschaft das Phänomen objektiv und distanziert anhand von messbaren Daten und Analysemodellen; die Tourismuswirtschaft reagiert maschinentechnisch-zerstörerisch, indem sie einer dem Ende zu gehenden Naturerscheinung eine anscheinend sich endlos steigernde touristische Nutzung aufsetzt. Der tatsächliche Stand der (Gletscher-)Dinge wird verschleiert und (durch Abdeck-Vliese) zugedeckt, mit einer weißen Kunstschneedecke beschönigt und zu einem Tabu gemacht, über das nicht ← 217 | 218 → gesprochen werden darf. Es herrscht eine kollektive Selbsttäuschung950 darüber vor, was in der Natur und im Umgang mit ihr tatsächlich von statten geht. Der moderne Mythos des ganzen Tals, welcher den Massentourismus als einzige Überlebensform postuliert, darf nicht hinterfragt werden. Der Blick hinter die Kulisse der Gletscherspektakel in Form von Skirennen, DJ-Konzerten und Freilufttheater-Aufführungen951 ist unerwünscht und wird durch...

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