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Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität

Heimo Hofmeister and Ivan Mikirtumov

Das Thema Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität fordert zu allererst eine Bestandsaufnahme politischer Kulturen hinsichtlich ihres Staatsverständnisses und deren Voraussetzungen zur Identifikation mit dem jeweiligen Staat. Die zweite Forderung richtet sich an die Philosophie und fragt nach konkreten Wegen für eine Gemeinsamkeit, deren Basis Freiheit ist, nicht trotz sondern um der Verschiedenheit des Herkommens und des Denkens willen. Erstaunlich ist, dass eine Tagung zu diesem Thema, weniger wegen der unterschiedlichen gesellschaftlichen und nationalen Erfahrungen der russischen und deutschen Wissenschaftler, sondern eher wegen der oft kontroversen Zugänge verschiedener Fachdisziplinen Fragen aufwirft.
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Zweierlei Katastrophen: Unterschiede in der Erinnerungskultur zwischen Deutschland und Russland

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Deutschlands geschichtliches Bewusstsein ist heute bestimmt von der Erinnerung an die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes. Diese Verbrechen waren so enorm, daß sie ihren Schatten auf die ganze deutsche Geschichte warfen und zur Prüfung zwangen, wo der Weg in den Abgrund begonnen hatte. Für Deutschland ist die selbstverursachte politische und moralische Katastrophe2 des Nazi-Regimes zu einem Teil seiner historischen Identität geworden – mit anderen Worten, was Deutschland war und was es heute ist, kann man nicht erklären, wenn man nicht auch diese Katastrophe mitdenkt.

Die Deutschen mussten sich spätestens nach 1945 der Frage stellen, was geschehen war, warum es geschehen war und wer dafür verantwortlich war. Ihre Aufgabe war eine zweifache: der Opfer zu gedenken war die traditionelle und leichtere. Schwieriger war die „negative“ Erinnerung an die Verbrechen und die Täter.3 Die Zuweisung der Schuld an Hitler und ein paar Hauptschuldige konnte nicht überzeugen, denn Hitler hatte ja die Zustimmung eines großen Teils der Bevölkerung gewinnen können und diese hatte sich mit in die Schuld an der Judenvernichtung und den Kriegsverbrechen hineinziehen lassen.4

Die Historiker haben inzwischen differenzierte Antworten erarbeitet, und ein breiter Konsens besteht auch über die Konsequenzen, die man daraus ziehen muß. „Unverbesserliche“ gibt es in Deutschland ebenso wie Leute, die abstreiten, daß es den Mord an den Juden je gegeben hat – aber diese Leute sind marginal und geächtet. Deshalb gibt es heute keine öffentlich ausgetragenen Kontroversen mehr, in ← 69 | 70 → denen die Verbrechen der...

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