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Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität

Heimo Hofmeister and Ivan Mikirtumov

Das Thema Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität fordert zu allererst eine Bestandsaufnahme politischer Kulturen hinsichtlich ihres Staatsverständnisses und deren Voraussetzungen zur Identifikation mit dem jeweiligen Staat. Die zweite Forderung richtet sich an die Philosophie und fragt nach konkreten Wegen für eine Gemeinsamkeit, deren Basis Freiheit ist, nicht trotz sondern um der Verschiedenheit des Herkommens und des Denkens willen. Erstaunlich ist, dass eine Tagung zu diesem Thema, weniger wegen der unterschiedlichen gesellschaftlichen und nationalen Erfahrungen der russischen und deutschen Wissenschaftler, sondern eher wegen der oft kontroversen Zugänge verschiedener Fachdisziplinen Fragen aufwirft.
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Drei „Opfer“ in der Gedächtniskultur Deutschlands

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Moderne russische und ausländische Forscher bemerken immer öfter das in der heutigen Kultur zunehmende Interesse an dem Opferdiskurs. Durch die Tendenzanalyse der gegenwärtigen Gesellschaft haben Wissenschaftler folgende Erkenntnis gewonnen: „Wir alle sind zugleich Akteure und Zeugen einer imposanten anthropologischen Premiere“1 – der Geburt eines neuen Gesprächs und einer neuen „Sorge um die Opfer“2.

Es sei aber darauf hingewiesen, dass „das Opfer zu uns in der unerkannten Form zurückkommt“3. Mit dieser Aussage betont der russische Wissenschaftler V. V. Savčuk die Hauptmetamorphose der modernen Geschichte: der Opferstatus, der sich intensiv in der heutigen Kultur entwickelt, erscheint uns in einer ganz anderen Form als in der früheren Kultur. Die heutige Auffassung des Opfers ist mit der des deutschen Forschers Н.-G. Deggau verwandt. H.-G. Deggau hebt strikt die Besonderheiten des modernen Opfers hervor, indem er bemerkt: „Das Opfer als Gabe an Gott, als Gegengabe für das Leben und seine Möglichkeiten, ist heute unverständlich und obsolet geworden“.4 Mit dem Verschwinden des Gottes als Adressaten des Opfers verändert sich das Opfer bis zur Unkenntlichkeit. Dieser Wandel manifestiert sich darin, dass Charakteristika des Gewalttäters und des Opfers langsam nicht mehr ein und für alle Male gegeben sind, sie tauschen leicht ihre Rollen und büßen dabei ihren ontologischen Status ein. Wenn aber der Opferstatus nicht mehr klar definiert ist, so entsteht die Frage, was das Opfer in der modernen Welt charakterisiert. Das Phänomen des Opfers und seiner Attraktivität...

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