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Sprache der Generationen

2., aktualisierte Auflage

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Edited By Eva Neuland

Mit dem Sammelband Sprache der Generationen wird dem interdisziplinären Gegenstandsfeld Generation eine bedeutsame linguistische Perspektive hinzugefügt: Welche spezifischen Sprachgebrauchsweisen herrschen in bestimmten Generationen vor? Haben sie die Entwicklung der Gemeinsprache beeinflusst? Wie verändert sich der Sprachgebrauch mit der generationellen Zugehörigkeit, v.a. in Jugend und Alter? Gibt es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Generationen? Welche Generationsbilder werden sprachlich konstruiert? Auf solche und andere Fragen bieten die Beiträge dieses Bandes erste theoretisch fundierte und empirisch gestützte Antworten und eröffnen Perspektiven in einem noch weitgehend unbearbeiteten Forschungsfeld der Sprachwissenschaft und speziell der Soziolinguistik.
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Wortkampf der Generationen Zum Dialog zwischen Vater und Sohn im ‚Hildebrandslied’: Meinolf Schumacher

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Helden kämpfen nicht nur mit Speer und Schwert. Heroische Dichtung besteht zu einem beträchtlichen Teil aus Gesprächen, die der Beratung oder der Friedensanbahnung dienen können,2 die häufig jedoch zum Kampf anreizen, ihn unterstützen und mit den Mitteln der Sprache fortsetzen. Bereits eines der frühesten Zeugnisse der deutschen Literatur enthält ein solches Wortkampfgespräch,3 ja es besteht zu einem großen Teil daraus: das (ältere) ‚Hildebrandslied’, das in einer Handschrift aus dem 9. Jahrhundert überliefert ist.4 Da es einen Kampf zwischen Vater und Sohn zum Inhalt hat,5 gestaltet es auch einen Dialog zwischen beiden. Die verbale Auseinandersetzung bei diesem „Rede- und Waffenduell“ (Wehrli 1980, 30) soll hier vor allem unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, ob und auf welche Weise mittelalterliche Konzepte der Generationendifferenz darin zum Ausdruck kommen. Die vorliegende Skizze versteht sich somit als ein kleiner mediävistischer Beitrag zu den kulturwissenschaftlich ausgerichteten ‚Generation Studies’6, die zunehmend interdisziplinäres Interesse finden.

Die Handlung des ‚Hildebrandslieds’ ist auf eine einzige Szene konzentriert: ‚Zwischen zwei Heeren’ (untar heriun tuem) treffen zwei Krieger aufeinander, die von vornherein als Vater und Sohn, als Hildebrand und Hadubrand bezeichnet sind. Sie selbst kennen die Identität des jeweils anderen freilich nicht, denn der Vater floh vor dreißig Jahren mit Dietrich von Bern vor dem ‚Hass Odoa ← 175 | 176 → kers’ (otachres nid) und hatte seine Frau und sein minderjähriges Kind ‚erbelos’ (arbeo laosa) zurückgelassen. Nun kehrt er mit einem Heer zurück...

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