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Sprache der Generationen

2., aktualisierte Auflage

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Eva Neuland

Mit dem Sammelband Sprache der Generationen wird dem interdisziplinären Gegenstandsfeld Generation eine bedeutsame linguistische Perspektive hinzugefügt: Welche spezifischen Sprachgebrauchsweisen herrschen in bestimmten Generationen vor? Haben sie die Entwicklung der Gemeinsprache beeinflusst? Wie verändert sich der Sprachgebrauch mit der generationellen Zugehörigkeit, v.a. in Jugend und Alter? Gibt es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Generationen? Welche Generationsbilder werden sprachlich konstruiert? Auf solche und andere Fragen bieten die Beiträge dieses Bandes erste theoretisch fundierte und empirisch gestützte Antworten und eröffnen Perspektiven in einem noch weitgehend unbearbeiteten Forschungsfeld der Sprachwissenschaft und speziell der Soziolinguistik.
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1945 – Der Schulddiskurs als Generationenphänomen: Heidrun Kämper

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Axel Eggebrecht betitelt einen von ihm im Jahr 1979 zuerst herausgegebenen Gedanken über Deutschland seit 1945 (Untertitel) beinhaltenden Sammelband mit: Die zornigen alten Männer. Zu Beginn des Vorworts konstituiert Eggebrecht die titelgebende Gruppierung als Generation:

„Wir alle waren 1945 imstande zu beurteilen, was wir in den vergangenen zwölf Jahren erlebt hatten, es zu analysieren, seine Ursachen zu untersuchen. Jeder von uns hatte sich auf irgendeine Art als Gegner Hitlers erwiesen. […] Dieses gemeinsame Erlebnis schuf ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, das bis heute lebendig blieb. […] Wir wollen glaubwürdig bleiben. Dazu gehört, daß wir uns abgrenzen gegen die Gleichgültigen; und erst recht gegen jene erwiesenermaßen Mitschuldigen, die es verstanden, ihre Vergangenheit zu vernebeln und bis in maßgebende Stellen unserer Republik vorzudringen“ (Eggebrecht 1980, 7).

Die Kriterien Eggebrechts, aus denen er ein generationelles Bewusstsein ableitet („Wir alle“; „Gefühl der Zusammengehörigkeit“), sind ein gemeinsamer Erfahrungshorizont („die vergangenen zwölf Jahre“) und eine geteilte Weltsicht („Gegner Hitlers“). Diese Kriterien sind einerseits vergangenheitsbezogen motiviert (auf die Jahre 1933 bis 1945 bezogen), andererseits gegenwartsbezogen, mit moralischem Anspruch versehen („wir wollen glaubwürdig bleiben“). Eggebrecht setzt dann die vergangenheitsbezogene Generationenkonstitution fort und grenzt für die Nazizeit eine ältere, eine mittlere und eine jüngere Generation voneinander ab. Die mittlere Generation konstituiert er als diejenige, „die 1933 jünger als zwanzig gewesen“ (ebd., 9) und aufgrund fehlender Erfahrung mit dem Krieg „anfällig für Parolen wie ‚Brot und Arbeit‘“ (ebd., 9) war. Die...

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