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Geschichte in Bildern – Bilder in der Geschichte

Fallbeispiele zur historischen Bildforschung

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Eugen Kotte

Seit den 1990er Jahren hat sich das Augenmerk der Geschichtswissenschaft zunehmend auf die Auseinandersetzung mit bildlicher Überlieferung gerichtet, eine Entwicklung, die ganz unmittelbar im Kontext des kulturwissenschaftlichen Iconic Turn zu sehen ist. Bilder werden seitdem grundsätzlich in die historische Forschung und Vermittlung einbezogen und weit über ihre bloße Illustrations- und Anschauungsfunktion als genuine Quellen, als Medien der Erinnerungskultur sowie als geschichtskulturelle Objektivationen wahrgenommen. Es interessieren neben ihrer artifiziellen Eigenart sowohl der Produktions- als auch der Rezeptionsprozess, nach deren jeweiligen Kontexten nun dezidiert gefragt wird. Dieser Visual History tragen die Beiträge dieses Bandes Rechnung, indem sie nicht nur verschiedene Zugriffe aufweisen und höchst unterschiedliche Inhalte thematisieren, sondern auch ein Spektrum unterschiedlicher Bildgattungen und Motive aufzeigen, die zu verschiedenen Zeiten in diversen Ländern Konjunktur hatten.
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Eugen Kotte: Einführung

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Eugen Kotte

Einführung

Seit etwa zwanzig Jahren ist im Bereich der Geschichtswissenschaft eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Eigenarten der bildlichen Überlieferung festzustellen, die nicht allein die Herstellung und Entstehung visueller Artefakte, sondern auch deren Aneignung und Wahrnehmung vor dem Hintergrund sich verändernder historisch-sozialer Kontexte einbezieht. Zwar ist die Forderung nach einer Verbreiterung der Quellenbasis um visuelle Artefakte, wie sie sich auch im weiten Quellenbegriff der Neuen Kulturgeschichte spiegelt1, keineswegs neu – bereits im 19. Jahrhundert hatte Johann Gustav Droysen in seiner „Historik“ Bilder und Skulpturen ausdrücklich als Quellenmaterial der geschichtswissenschaftlichen Forschung ausgewiesen2, und auch Jacob Burkhardts Vorhaben einer „integralen Kunst- und Kulturgeschichte der Renaissance“3 reflektierte mindestens programmatisch die Bedeutung von Kunstwerken und Architektur für die Rekonstruktion vergangenen Denkens und Handelns. Doch fanden derartige Impulse – trotz kurzfristig auch größerer Wirkung beispielsweise durch Gustav Freytags „Bilder aus der deutschen Vergangenheit“4 (1859-1867) – wenig Berücksichtigung in der überwiegend historistisch ausgerichteten historischen Forschung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts5, so dass trotz einiger institutioneller Bemühungen (z. B. durch die 1928 ins Leben gerufene Internationale Ikonographische Kommission) eine systematischere Auseinandersetzung mit Bildern in der Geschichtswissenschaft über lange Zeit ausblieb.

Dieses „unzweifelhaft […] deutliche Defizit […] stärkerer Berücksichtigung von bildlichen Quellen und der mit dem Bild verbundenen ästhetisch-emotionalen Elemente der Erfassung, Vermittlung und Bewahrung historischen Wissens“6 wurde erst spät im Rahmen der Neuen Kulturgeschichte ← 7 | 8 → angegangen. Diese Aussage des Augsburger Kulturhistorikers Wolfgang E. J....

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