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Das islamische Wirtschaftsrecht

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Edited By Abdurrahim Kozali, Ibrahim Salama and Souheil Thabti

Islamische Banken und Versicherungen sind weltweit auf dem Vormarsch und verzeichnen zweistellige Wachstumsraten. Auch hierzulande erfreut sich das sog. Islamic Finance & Banking großer Nachfrage. Im Frühjahr 2015 wurde in Deutschland der ersten islamischen Bank die Lizenz erteilt. Produkte und Dienstleistungen dieser Banken basieren auf dem islamischen Wirtschaftsrecht (fiqh al-mu'amalat al-maliyya), welches die Autoren in diesem Band näher beleuchten. Neben der Frage nach der Umsetzbarkeit der Produkte und Dienstleistungen, die maßgeblich von der Konformität mit der hiesigen Rechtsordnung – insbesondere im Hinblick auf aufsichts-, zivil- und steuerrechtlichen Anforderungen – abhängt, behandeln sie grundsätzliche Fragen nach der Vereinbarkeit jener Institute mit dem herrschenden Wirtschaftssystem.
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Die Anwendung islamischen Wirtschaftsrechts im zinslosen Bankwesen: Finanztechnik zwischen Klassik und Moderne

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Volker Nienhaus

Der Koran stellt zwar unmissverständlich fest, dass ribā verboten ist, aber er gibt keine Definition dieses Begriffs. Das hat zu intensiven Diskussionen geführt, ob damit nur ein Wucherverbot oder ein Verbot jeglicher Zinsen bei Darlehensverträgen gemeint ist. Vertreter des islamischen Finanzwesens gehen vom Verbot jeglicher Zinsen bei reinen Finanztransaktionen aus. Reine Finanztransaktionen liegen dann vor, wenn die temporäre Überlassung von Finanzmitteln Gegenstand des Vertrages ist, und Zins ist jeder geldwerte Vorteil, den der Finanzmittelgeber über die volle Rückzahlung des überlassenen Betrages hinaus verlangen kann. Etwas vereinfacht: Verzinsliche Darlehen sind verboten, wobei es unerheblich ist, ob ein Zins als fixer Prozentsatz oder als variable Größe definiert ist. Entscheidend ist, dass neben dem unbedingten Rückzahlungsanspruch noch ein Anspruch auf eine weitere Leistung besteht.

Ende der 1970er Jahre entstanden die ersten islamischen Banken, die sich darum bemühten, Finanzgeschäfte ohne Zins und in Übereinstimmung mit dem islamischen Recht abzuwickeln. Die heute von islamischen Banken verwendeten Bezeichnungen für die angebotenen Finanzprodukte und -dienstleistungen sollen deren Scharia-Konformität dadurch signalisieren, dass sie dem klassischen islamischen Wirtschaftsrecht entnommen sind. Dies ist aber nicht unproblematisch, denn bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass keine einzige der heute von islamischen Banken verwendeten Vertragskonstruktionen den klassischen Verträgen entspricht, deren Namen verwendet werden. Dieser Beitrag soll aufzeigen, in welcher Weise die klassischen Verträge ergänzt, ausgestaltet oder uminterpretiert wurden, um sie für Finanzinstitutionen nutzbar zu machen. Die Modifikationen sind zum Teil...

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