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Ungarndeutsche Literatur

Neue Perspektiven?

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Erika Regner

Die sogenannte ungarndeutsche Literatur ist ein schwer zu handhabendes Phänomen, da ihre Bedeutung – wie oft bei deutschsprachiger Literatur außerhalb des deutschen Sprachraums – weit über ihre rein literarische hinausgeht. Der Band wirft einen zeitgenössischen Blick auf diese Literatur und zeigt so die Ursachen und Gefahren der Diskrepanz auf. Die jüngste Generation ungarndeutscher Schriftsteller, die seit 2000 publiziert und bisher kaum literaturwissenschaftliche Beachtung fand, bildet den Ausgangspunkt: Ihr Schaffen wird gemeinsam mit dem ungarndeutschen Literaturbetrieb analysiert und theoretisch kontextualisiert. Dies gibt Aufschluss über die besondere Situation der deutschsprachigen Minderheit in Ungarn hinsichtlich Sprachgebrauch, Schulbildung und Identitätskonstruktion.
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2. Theoretische Grundlagen

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2. Theoretische Grundlagen

2.1 Identität und kollektives Gedächtnis

In vorliegender Arbeit spielt die Frage der Identität der Ungarndeutschen in mehrfacher Hinsicht eine zentrale Rolle – so ist damit zum einen die kollektive Selbstwahrnehmung der Ungarndeutschen als Minderheit gemeint, zum anderen aber auch die Identität einzelner Angehöriger der ungarndeutschen Minderheit, die als Produzenten oder (potentielle) Rezipienten von ungarndeutscher Kultur fungieren. Außerdem stellt die ungarndeutsche Identität als solche eines der wichtigsten Motive in der ungarndeutschen Literatur dar, in der unter anderem auch kollektive Geschichte, Wertvorstellungen und gruppenspezifische Probleme behandelt und kommuniziert werden. Aus diesem Grund sollen an dieser Stelle der Begriff der Identität und deren Konstituierung beim Individuum sowie im Rahmen einer Gruppe beleuchtet werden.

Den Überlegungen des Psychoanalytikers Erik H. Erikson folgend, bezeichnet der Begriff der Identität eine vielschichtige und flexible Konstruktion, denn „er [umfaßt] sowohl ein dauerndes inneres Sich-Selbst-Gleichsein wie ein dauerndes Teilhaben an bestimmten gruppenspezifischen Charakterzügen.”2 Konkret bedeutet das bei Erikson:

„Nun ein Gefühl der Identität zu haben, heißt, sich mit sich selbst – so wie man wächst und sich entwickelt – eins fühlen; und es heißt ferner, mit dem Gefühl einer Gemeinschaft, die mit ihrer Zukunft wie mit ihrer Geschichte (oder Mythologie) im reinen ist, im Einklang zu sein.”3

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