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Probleme der Librettoübersetzung

Am Beispiel von Mozarts Oper "Le nozze di Figaro</I>

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Wiebke Langer

Probleme der Librettoübersetzung setzt den Fokus auf eine in der Forschung lange Zeit vernachlässigte Gattung, das Libretto. Auch die Librettoübersetzung nimmt wenig Raum ein in den Wissenschaften. Die Analyse dreier Übersetzungen ins Deutsche zu Mozarts Oper Le nozze di Figaro veranschaulicht die besondere Schwierigkeit dieser Übersetzungsart. Durch die enge Verzahnung des Librettos mit der Musik (Metrik, Reim, Rhythmus) muss der Übersetzer stets Kompromisse eingehen. Musik und Sprache haben einige Berührungspunkte, beide können etwa nach semiotischen und suprasegmentalen Aspekten untersucht werden. Die Arbeit ist an der Schnittstelle von Sprach-, Übersetzungs- und Musikwissenschaft zu verorten. Dank ihrer Funktion als nationale Kulturträger sind Opernübersetzungen auch heute noch von großer Bedeutung.
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3 Die Librettoübersetzung

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3 Die Librettoübersetzung

3.1 Besondere Schwierigkeiten der Librettoübersetzung: Metrik, Rhythmus, Reim, Vokale

Wie schon in der Einleitung angedeutet wurde, sind die Schwierigkeiten, eine in Musik gesetzte Sprache adäquat zu übersetzen, beträchtlich. Etwas anderes ist es natürlich, wenn es sich um ein sogenanntes ‚Leselibretto‘ handelt. Hier hat der Übersetzer mehr Freiheiten, teilweise sind sie sogar in Prosa verfasst. Heute kommt der operninteressierte Laie um die Konsultation solcher Gebrauchslibretti nicht herum, wenn ein genaueres Verständnis von Opern erreicht werden soll – ist die Oper im ← 33 | 34 → Original doch die Standardversion auf Bühne und Tonträgern geworden. Der Verlag Reclam bringt in Deutschland seit jeher Libretti heraus, meist haben sich hier feste Versionen etabliert. In den CD-Booklets sind inzwischen viersprachige Textausgaben Usus. Die Übersetzungen sind in diesem Fall aber nicht auf Sangbarkeit ausgelegt.

Sangbare Übersetzungen hingegen müssen sich „ohne große Eingriffe in den Notentext zur Musik des Originals singen lassen“ (Dürr 2004: 1036). Hierin liegt die ganze Misere der Opernübersetzung begründet (vgl. auch Honolka 1978b: 27). Brecher etwa appelliert an eine möglichst wörtliche Übersetzung der Libretti, damit musikalisch besonders hervorgehobene Wörter nicht übergangen werden (vgl. 1911: 12). Problematisch hieran ist jedoch, dass solche Interlinearübersetzungen aufgrund der uterschiedlichen Sprachsysteme nicht funktionieren können. Laut Gschwend ist es ein Ding der Unmöglichkeit, „einen in Musik gesetzten Text deckungsgleich in eine andere Sprache zu übertragen“ (2009: 153). Die Verschiedenheit der...

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