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Emotionalität und Wertung im Diskurs

Eine kontrastive Analyse deutscher und polnischer Pressetexte zum EU-Beitritt Polens

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Dorota Miller

Die Autorin vergleicht anhand von Artikeln aus den Wochenzeitschriften DER SPIEGEL und POLITYKA von 2002 bis 2005 das emotionale Bewerten des EU-Beitritts Polens im deutschen und polnischen Mediendiskurs. Im ersten Teil werden Lexeme erfasst, die Akteure der EU-Osterweiterung benennen (Nominationen) und ihnen bestimmte Charakteristika zuschreiben (Prädikationen). Anschließend richtet sich das Hauptaugenmerk auf Argumentationsmuster, die Bewertungen widerspiegeln bzw. stützen, sowie auf ausgedrückte und thematisierte bzw. beschriebene Emotionen. Das Buch versteht sich als eine kontrastive diskurslinguistische Analyse, die durch eine Untersuchung der evaluativ-emotionalen Funktion der visuellen Textelemente ergänzt wird.
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I. Theoretische Grundlagen

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I.   Theoretische Grundlagen

Es ist kaum vorstellbar, dass man einen Text produziert, ohne auf schon vorhandene Texte zu referieren. Dies ist die tägliche Praxis jeder Kommunikation, sowohl der mündlichen als auch der schriftlichen, der privaten wie auch der öffentlichen. Ein Paradebeispiel für das Bezugnehmen zwischen einzelnen Texten kann man in der Medienkommunikation finden: Hier wird darüber berichtet, was andere gesagt haben, dieselben Äußerungen werden vielmals wieder aufgenommen, umformuliert und weiterverarbeitet (vgl. dazu Steyer 1997:12). Diese Eigenschaft von Texten, von Julia Kristeva 1967 als Intertextualität bezeichnet, wurde am frühesten und am heftigsten im Rahmen der Literaturwissenschaft diskutiert und fand erst relativ spät Eingang in sprachwissenschaftliche Erwägungen (vgl. Linke/Nussbaumer 1997:109). Literatur- und sprachwissenschaftliche Intertextualitätsauffassungen gehen dabei weit auseinander: vom „Text als Teil eines universalen Intertextes“ (Pfister 1985:25) bis hin zu spezifischen, „bewusste[n], intendierte[n] und markierte[n] Bezüge[n] zwischen einem Text und vorliegenden Texten oder Textgruppen“ (ebd.).1 Das weitere, für die Literaturwissenschaft typische Modell und das engere Konzept (in der deutschsprachigen Rezeption vorherrschend)2 sind zwei Extreme, zwischen denen unterschiedliche Intensitätsgrade intertextueller Bezüge zu finden sind (vgl. Pfister 1985:25f, Linke/Nussbaumer 1997:109ff.).

Im Lichte des breit angelegten, radikalen Intertextualitätsbegriffs erscheinen Texte als dynamische Konstrukte, die sich in der allgemeinen Intertextualität auflösen:

Was uns als Text erscheint, ist ein Fragment, ein Fetzen aus dem unendlichen Strom des Sprechens oder des Diskurses, bzw. ein...

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