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Finnische Germanistentagung 2012

Einblicke und Aussichten

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Edited By Irma Hyvärinen, Ulrike Richter-Vapaatalo and Jouni Rostila

Die Finnische Germanistentagung 2012 brachte rund 70 FachkollegInnen aus dem ganzen Land nach Helsinki. Im Dialog mit renommierten WissenschaftlerInnen aus dem Ausland thematisierten sie Aktuelles in Forschung und Lehre. Dieser Band enthält die Plenarvorträge und ausgewählte, in einem Referee-Verfahren begutachtete Sektionsbeiträge in vier Blöcken: «Einblicke in die Lage des Deutschen in Finnland», «Deutsch im Gebrauch», «Deutsch im Unterricht» und «Literatur als Kulturgut». Die rege Beteiligung und die Bandbreite der Tagung beweisen, dass es nicht schlecht bestellt ist um die finnische Germanistik, dass es jedoch gemeinsamer Bemühungen bedarf, um die akademische Existenz und den traditionell hohen Standard des Fachbereichs auch weiterhin zu sichern.
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„Jeder ist sich selbst der Fernste“ Zur Sprichwörtlichkeit in Friedrich Nietzsches „Die fröhliche Wissenschaft“: Wolfgang Mieder

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Zweifelsohne wird Friedrich Nietzsche in Johann Gottfried Herders Schrift „Briefe zur Beförderung der Humanität“ (1793) auf den Begriff der „fröhlichen Wissenschaft“ gestoßen sein, der in den Briefen wiederholt als Charakterisierung der provenzalischen Dichtung der Troubadours auftritt. So heißt es am Anfang des 85. Briefes: „Glück also zum ersten Stral der neueren poetischen Morgenröthe in Europa! Sie hat einen schönen Namen: die fröliche Wißenschaft, (gaya ciencia, gay saber); möchte sie deßen immer wert seyn!“ (Herder 1883, Bd. 18, 37; vgl. Büchmann 1995, 105; Bertino 2010). Bereits 1881 notierte sich Nietzsche diesbezüglich in einem seiner schier unzähligen nachgelassenen Fragmente folgende zweisprachige Liste mit dem Titel „Gaya Scienza“: „Albas – Morgenlieder; Serenas – Abendlieder; Tenzoni – Streitlieder; Sirventes – Lob- und Rügelieder; Sontas – Lieder der Freude; Laïs – Lieder des Leides“ (KSA9, 573)1. An diese Ambivalenz der mittelalterlichen Liedinhalte mag Nietzsche sich erinnert haben, als er 1882 eine Sammlung seiner Aphorismen, Fragmente und Kurzprosatexte unter dem Titel „Die fröhliche Wissenschaft“ („la gaya scienza“) zusammenstellte. In Anklang an die provenzalische Lyrik stellte er seinem Werk ein „Vorspiel in deutschen Reimen“ mit dem Titel „Scherz, List und Rache“ voran, der in Hochschätzung Goethes auf dessen heute wenig bekanntes Singspiel „Scherz, List und Rache“ (1790) anspielt. In der zweiten Auflage von 1887 hat Nietzsche ein fünftes Buch und die „Lieder des Prinzen Vogelfrei“ hinzugefügt, so dass er sich in diesen Texten durch den lyrischen Rahmen auch als Dichter zu...

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