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«Der Wahlkampf ist vorbei.» Ist der Wahlkampf vorbei?

Diskursanalytische Untersuchung und interkultureller Vergleich britischer und deutscher Wahlnachtreden

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Thorsten Malkmus

Die Arbeit stellt qualitative und quantitative diskursanalytische Untersuchungen von britischen und deutschen Wahlnachtreden von 1997 bzw. 1998 an und nimmt intra- und interkulturelle Vergleiche der diskursiven Strategien dieser Reden vor. Als Methode dient Teun van Dijks soziokognitiver Ansatz zur Kritischen Diskursanalyse, um Strategien der Selbst- und Fremddarstellung und der Adressatenorientierung zu analysieren: besondere Aufmerksamkeit wird hier Sprechaktsequenzen, Personalpronomina, Metaphern, rhetorischen Formaten sowie der Appraisal Theory gewidmet. Die britischen Wahlnachtreden weisen im Vergleich zu den deutschen Wahlnachtreden einen höheren Personalisierungsgrad und eine stärkere Adressatenorientierung auf. Während man in den deutschen Reden eher eine Ausgewogenheit vorfindet, kann in den britischen Reden eine zumindest implizite Konfrontation festgestellt werden.
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1 Einführung

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„Der Wahlkampf ist vorbei“ - diese Behauptung stellte Angela Merkel in ihrer Wahlnachtrede 2005 mit Blick auf Franz Münteferings vorangegangene konfrontative Wahlnachtrede auf. Obwohl alle Hochrechnungen Gerhard Schröder und die SPD hinter Merkel1 und der CDU/CSU sahen, verfolgte der abgewählte Bundeskanzler wie Müntefering einen stark polarisierenden Diskurs2. Dabei realisierte er unmittelbar nach der Wahl die für den Wahlkampf typischen Diskursstrategien der positiven Selbstdarstellung und der negativen Fremddarstellung: Die Union habe, so Schröder, desaströs abgeschnitten, die SPD sei die Wahlgewinnerin und eine Regierung unter einer Bundeskanzlerin Merkel werde es nicht geben. Ist der Wahlkampf mit seinen charakteristischen antagonistischen Positionen am Wahlabend nun doch nicht vorbei? Ist “nach der Wahl vor der Wahl” (vgl. Kapitel 1.2.3.3)?

If I may just say I know that it’s been a very clean, a very good campaign [TB/Sedge/14-15]3, I understand that the battle here has been fought with great courtesy and great skill [JM/Hunt/11-12] – diese Äußerungen stammen aus Tony Blairs und John Majors Wahlnachtreden 1997. Der Wahlgewinner bzw. –verlierer instrumentalisiert seine Aussagen hinsichtlich des vorangegangenen Wahlkampfs nicht (wie Schröder und Merkel) zur (impliziten) negativen Darstellung der diskursiven Strategien der politischen GegnerInnen4 in der Wahlnacht. Vielmehr wird die vergangene „Kampagne“ bzw. „Schlacht“ und damit implizit der eigene (und evtl. auch der gegnerische) vergangene Wahlkampf positiv bewertet.

Bei diesen vergleichenden Beobachtungen drängen sich die Fragen auf, ob britische und deutsche PolitikerInnen in ihren Wahlnachtreden grundsätzlich unterschiedliche diskursive Strategien verfolgen (zur Differenzierung von...

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