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«Der Wahlkampf ist vorbei.» Ist der Wahlkampf vorbei?

Diskursanalytische Untersuchung und interkultureller Vergleich britischer und deutscher Wahlnachtreden

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Thorsten Malkmus

Die Arbeit stellt qualitative und quantitative diskursanalytische Untersuchungen von britischen und deutschen Wahlnachtreden von 1997 bzw. 1998 an und nimmt intra- und interkulturelle Vergleiche der diskursiven Strategien dieser Reden vor. Als Methode dient Teun van Dijks soziokognitiver Ansatz zur Kritischen Diskursanalyse, um Strategien der Selbst- und Fremddarstellung und der Adressatenorientierung zu analysieren: besondere Aufmerksamkeit wird hier Sprechaktsequenzen, Personalpronomina, Metaphern, rhetorischen Formaten sowie der Appraisal Theory gewidmet. Die britischen Wahlnachtreden weisen im Vergleich zu den deutschen Wahlnachtreden einen höheren Personalisierungsgrad und eine stärkere Adressatenorientierung auf. Während man in den deutschen Reden eher eine Ausgewogenheit vorfindet, kann in den britischen Reden eine zumindest implizite Konfrontation festgestellt werden.
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3 Der politische Hintergrund der britischen Parlamentswahlen 1997

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In Großbritannien herrscht ein Mehrheitswahlrecht (first-past-the-post-system). Das bedeutet, dass der nationale Stimmenanteil einer Partei für die Vergabe der Parlamentssitze keine Rolle spielt, da sich das Parlament ausschließlich aus Abgeordneten aus den einzelnen Wahlkreisen zusammensetzt. Nur die GewinnerInnen der Wahlkreise ziehen in das Parlament ein, die Stimmen für die anderen KandidatInnen verfallen. Die Parlamentswahl von 1997 brachte folgende Ergebnisse hervor (vgl. Hames 2001: 4549):

Tab. 3.1.1:Ergebnis der britischen Parlamentswahlen 1997



Am 1. Mai 1997 gelang es der Labour Party unter Blair, die lange Regierungszeit der Conservative Party mit einem Erdrutschsieg (landslide victory) zu beenden. Die Conservative Party verlor all ihre Wahlkreise in Schottland und ← 87 | 88 → Wales und der Stimmenverlust zur Labour Party war mit 13% im Süden Englands, also in den traditionellen Hochburgen der Conservative Party, besonders stark (Charlot 2000: 146). Die Konservativen verloren mehr als die Hälfte ihrer Sitze und der swing (Stimmenumschwung) von der Conservative zur Labour Party war mit 10% so hoch wie seit 1945 nicht mehr (Esser et al. 2000: 220). Die Labour Party gewann insgesamt 418 Sitze, so viele wie noch nie. Hilfreich war dabei sicherlich die nationale Tagespresse, die die Labour Party mehrheitlich unterstützte. Sogar die Zeitung The Sun, die traditionell ihre LeserInnen dazu aufrief, konservativ zu wählen, sagte Blair mit ihrer Titelzeile „The Sun backs Blair“ (18.03.97) explizit ihre Unterstützung zu (Esser et al. 2000: 220). Weitere unterstützende Faktoren waren das Mehrheitswahlrecht und die relativ niedrige...

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