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Kollokationen im Zivilrecht Polens in den Jahren 1918–1945 mit besonderer Berücksichtigung der deutschsprachigen Zivilgesetzbücher

Eine kontrastive Studie

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Felicja Ksiezyk

Die Autorin befasst sich mit den rechtssprachlichen Kollokationen in Zivilgesetzbüchern, welche in Polen nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit in Geltung blieben, bevor sie einem einheitlichen polnischen Recht den Platz räumten. Die entsprechenden Gesetzestexte werden von ihr in einem sprachkontrastiven Ansatz analysiert, samt ihren Übertragungen ins Polnische. Welches der großen Gesetzeswerke ist am prägendsten für die polnische Rechtssprache gewesen? Inwiefern stimmen die analysierten Übersetzungen mit der heutigen polnischen Sprache überein? Die Analyse verdeutlicht, dass Übertragungen der deutschsprachigen Texte in einem wesentlich höheren Grad mit der polnischen Gegenwartssprache konform sind als das französisch-polnische Recht.
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9. Usualität der substantivisch-verbalen Mehrwortverbindungen im französisch-polnischen Zivilrecht

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Die Sprachnorm ist ein Mittelwert, ein Durchschnitt für einen bestimmten Raum und eine bestimmte Zeit, sie ändert sich also, ist das Ergebnis des Aufeinanderstoßens des differenzierenden individuellen Elements und des sozialen Elements, das die Unterschiede ausgleicht […] (Rencki 1925: 302; übers. v. F.K.)

Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens nach dem Ersten Weltkrieg wurde nicht nur der Mangel an einheitlichen Rechtsvorschriften, sondern auch der Mangel an einer einheitlichen Sprache zum Problem. Behauptet wurde, die Teilungen Polens hätten die Entstehung mehrerer polnischer Rechtssprachen nach sich gezogen (vgl. Glass 1922: 252f. und Rencki 1925: 301). Dabei pochten die Vertreter der einzelnen ehemaligen Teilungsgebiete darauf, bei ihnen habe sich die vollkommenste Form der polnischen Sprache aufrechterhalten. Besonders stark insistierte darauf das ehemalige Kongresspolen als Zentrum des Staates (vgl. Rencki 1925: 301). Der allgemein vertretene Standpunkt, dass die polnische Sprachtradition durch die Teilungen Polens verkommen sei, wie bereits in Kap. 2.4 dargelegt, wurde in der Hinsicht relativiert, dass zwischen den einzelnen Teilungsgebieten stark differenziert wurde: Während die Sprache in Kleinpolen vielfach als verdorben durch die deutschen Einflüsse charakterisiert wurde, verwies man bei der polnischen Rechtssprache im ehemaligen Kongresspolen auf die unmittelbare Verbindung mit der Sprache vor der Teilung Polens und nur oberflächliche Einflüsse des Russischen (vgl. Makowski 1922: 77 und Posner 1925: 214). Nach Rencki dürfte dem Zentrum des polnischen Staates somit eine bedeutsame Einflussnahme auf die Herausbildung einer einheitlichen...

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