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Kanon und Literaturgeschichte

Facetten einer Diskussion

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Edited By Ina Karg and Barbara Jessen

Kanonbildung ist mit Literaturgeschichtsschreibung und der Auswahlproblematik eng verbunden. Stets muss über die Aufnahme oder den Verzicht auf Werke und Autoren eine Sinn- und Bedeutungszumessung im Kommunikationsfeld Literatur vorgenommen werden. Dieser Aufgabe stellte sich die Sektion 11 des Germanistentages 2013 in Kiel. Die hier versammelten Tagungsbeiträge lassen sich folgenden Themenfeldern zuordnen: Zunächst wird Grundsätzliches zur Kanontheorie und Kanonbildung besprochen. Anschließend finden Orte der Vermittlung Erwähnung: Dichterhäuser, Literaturmuseen, Universitäten, Schulen, Theater. Schließlich beschäftigen sich die Beiträge mit übersehenen Epochen und Literaturen: Kinder- und Jugendliteratur, Mittelhochdeutsche Literatur, Drittes Reich, DDR-Literaturgeschichte, Theaterlandschaft um 1800, Interkulturelle Literatur und vergessene Autor(inn)en.
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„…Kälte atmend der Ofen …“. Edvard Munch, Franz Kafka, Charlie Chaplin – Deuter der Moderne

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← 52 | 53 →Hans-Christoph Ramm

Munchs Gemälde Galoppierendes Pferd (1910-1912), Kafkas Erzählfragment Der Verschollene (1912-1914) und Chaplins erster Tonfilm Der Große Diktator (1940) sind methodisch und kulturdiagnostisch herausfordernde Werke. Im Folgenden wird es um eine interdisziplinäre Erschließung dieser Werke der Moderne gehen, die drei Disziplinen zuzuordnen sind. Gewählt wird ein methodenpluralistischer Zugang, der es möglich macht, durch die Formanalyse des jeweiligen Werkes auf dessen ästhetischen Erfahrungshorizont zu stoßen und damit auf die Aufsehen erregende Neuerung der polyfokalen Perspektivtechnik der Moderne. In dieser ästhetischen Form kommt das zeitdiagnostische Potenzial der Werke zum Ausdruck.

Im Einspruch gegen die Rationalität der Moderne und die mit ihr einhergehende Dehumanisierung haben die Werke Munchs, Kafkas und Chaplins ihr Gemeinsames.

Die Ausführungen verstehen sich als Beitrag zur ästhetischen Anthropologie und zum interdisziplinären Dialog.1

Im Zentrum der Kunstwerke der Moderne steht die Krise subjektiver Welterfahrung, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durch die rasante Entwicklung von Technik und Urbanität und durch revolutionäre ästhetische Formen, die in Chaplins erstem Tonfilm nachwirken, ausgelöst wurde. Am Durchbruch zur modernen Welt lassen die Werke, in der Gleichzeitigkeit verschiedener ← 53 | 54 →Strömungen, den Epochenübergang ästhetisch polyfokal erfahrbar werden. In ihrer Differenz von Normierungen, mit den „Axiomen ‚Subjektivität‘ und ‚Kreativität‘“,2 sind sie rätselhafte Deutungsappelle, in denen Krise, Kritik und Polyvalenz zu neuen künstlerischen Formen zusammengeführt werden. Die Avantgarde schuf eine Kunst,...

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