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Kanon und Literaturgeschichte

Facetten einer Diskussion

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Ina Karg and Barbara Jessen

Kanonbildung ist mit Literaturgeschichtsschreibung und der Auswahlproblematik eng verbunden. Stets muss über die Aufnahme oder den Verzicht auf Werke und Autoren eine Sinn- und Bedeutungszumessung im Kommunikationsfeld Literatur vorgenommen werden. Dieser Aufgabe stellte sich die Sektion 11 des Germanistentages 2013 in Kiel. Die hier versammelten Tagungsbeiträge lassen sich folgenden Themenfeldern zuordnen: Zunächst wird Grundsätzliches zur Kanontheorie und Kanonbildung besprochen. Anschließend finden Orte der Vermittlung Erwähnung: Dichterhäuser, Literaturmuseen, Universitäten, Schulen, Theater. Schließlich beschäftigen sich die Beiträge mit übersehenen Epochen und Literaturen: Kinder- und Jugendliteratur, Mittelhochdeutsche Literatur, Drittes Reich, DDR-Literaturgeschichte, Theaterlandschaft um 1800, Interkulturelle Literatur und vergessene Autor(inn)en.
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DDR-Literaturgeschichte neu schreiben

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← 246 | 247 →Doreen Mildner

„Die Zone zieht“, behauptete Professor Dr. Martin Sabrow in der ersten Sitzung seiner Vorlesung „Die DDR in der Geschichte des 20. Jahrhunderts“ im Sommersemester 2012. Er bezog sich bei dieser Aussage auf den Boom der DDR-Forschung in der Geschichtswissenschaft.

In der Germanistik „zieht“ die DDR und ihre Literatur nicht. Die DDR-Literaturgeschichten von vor 1990 werden unter denselben Titeln, aber mit an die neuen Verhältnisse angepasstem Inhalt verkauft. Auch an den Schulen ‚boomt‘ DDR-Literatur nicht. Dies zeigte eine für diesen Vortrag von April bis September 2013 auf www.umfrageonline.com durchgeführte bisher unveröffentlichte Umfrage zur DDR-Literatur im Deutschunterricht. Für die Umfrage wurden etwa 400 E-Mails an Schulen, die GEW und Fachzeitschriften versandt. 82 Deutschlehrerinnen und -lehrer aus allen Bundesländern haben an ihr teilgenommen. Ein Deutschlehrer, der in Nordrhein-Westfalen unterrichtet, aber aus der DDR kommt, schrieb: „Ich behandele in der Oberstufe genau so viel DDR-Literatur, wie mir vorgeschrieben ist. Zurzeit nichts!“

Im Folgenden werden zunächst exemplarisch drei DDR-Literaturgeschichten im Wandel der Zeit verglichen, dann werden Voraussetzungen einer neuen Geschichte der DDR-Literatur erörtert und schließlich wird auf die Ergebnisse der Umfrage „DDR-Literatur im Deutschunterricht“ eingegangen.

Als Erstes wird die 2013 in der achten Auflage erschienene Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart betrachtet und mit der ersten Auflage von 1979 verglichen.

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