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Aufarbeitung der Vergangenheit als Dimension der Erwachsenenbildung

Polnische, russländische und ukrainische Perspektiven

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Dr. Tetyana Kloubert

Wie wird in den drei Ländern Russland, Polen und Ukraine mit den problematischen Ereignissen der nationalen Geschichte umgegangen? Dieser Frage widmet sich diese Studie in Form einer empirischen Untersuchung, durchgeführt im Jahr 2009. Befragt wurden in eingehenden Interviews 91 Erwachsenenbildner aus drei Ländern. Dabei ergab sich, dass die Aufarbeitung der Geschichte in engem Zusammenhang steht mit den Prozessen der gesellschaftlichen Transformation und Integration sowie mit der Demokratieentwicklung im jeweiligen Land. An einer Fülle von Beispielen kann gezeigt werden, dass der Erwachsenenbildung in Umbruchzeiten ganz eigene Möglichkeiten zukommen, den Prozess der Aufarbeitung der Vergangenheit zu fördern. Im Vergleich von Russland, Polen und der Ukraine treten neben Gemeinsamkeiten auch markante Unterschiede in Theorie, Praxis und professionellem Selbstverständnis der Erwachsenenbildner hervor.
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3.2.2.4 Generationenverhältnis

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Seit den früheren 1990er Jahren wurden mit der heranwachsenden Jugend Hoffnungen verbunden, dass sie die erste Generation sein wird, die ohne sowjetische Dogmen und Ideologien aufwächst und die westlichen Werte und demokratischen Prinzipien übernehmen und die Aufarbeitung der sowjetischen Vergangenheit lancieren wird. Soziologen haben angenommen, dass im Prozess der natürlichen Generationenfolge die demokratischen Vorstellungen und die Achtung der Menschenrechte in der Gesellschaft institutionalisiert werden, wodurch mit der Zeit ← 313 | 314 → die sowjetischen Prägungen aus der Landschaft der gesellschaftlichen Meinungen weichen werden (vgl. Zorkaja 2007). Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Jugend im Laufe der Jahre immer mehr die in der Sowjetunion herrschende Struktur der Wertvorstellungen übernommen hat. In der postsowjetischen russländischen Gesellschaft ist kein wahrer Generationenkonflikt entstanden, der den Prozess der Aufarbeitung der Vergangenheit und der Auseinandersetzung mit dem von der Sowjetherrschaft hinterlassenen Wertesystem hervorbringen könnte. Die Probleme der sowjetischen Vergangenheit wurden nicht konfrontativ gestellt und nach wie vor nicht reflektiert. Die Erfahrung der deutschen Aufarbeitung der Vergangenheit, verstärkt durch die neue „Generation der 68er“, die zu den humanistischen und demokratischen westeuropäischen Traditionen zurückkehrte, blieb der russländischen Gesellschaft fremd (vgl. Interview_R38, Abs. 8; vgl. ferner auch Gudkov 2008).

In Bezug auf den Generationenkonflikt hinsichtlich des Umgangs mit der Vergangenheit stellte die russländische Forschung fest, dass die junge Generation der heute 20- und 30-jährigen die politische Rhetorik des letzten Jahrzehnts übernommen hat und die Meinung teilt, Stalin sei ein „effektiver Manager“ gewesen (vgl. z. B....

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