Show Less
Restricted access

Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
Show Summary Details
Restricted access

III. Zum Chronisten bestellt

Extract

Ein in seiner Wirkung kaum zu überschätzender Einfluss auf die Literatur der Epoche ist von der lateinischen Sprache ausgegangen, die der Alphabetisierung der Litterati stets zugrunde lag. Voraussetzung für die Tätigkeit von Geistlichen wie Dusburg, Jeroschin und sonstiger Autoren aus Ordenskreisen war die Kenntnis der lateinischen Bibelübersetzung, der Vulgata. Für die Schulung der Jugendlichen, die wohl überwiegend zum geistlichen Stande bestimmt waren, stand geistliche Literatur, die Kirchenväter, Heiligenviten und Legenden, daneben aber eine Auswahl klassischer Autoren182, oft in Form von Florilegien, zur Verfügung. Dass diese heidnische Autoren waren, war in der kirchlich kontrollierten Erziehung längstens im Sinne einer zur interpretatio christiana183 gewandelten interpretatio Romana184 verarbeitet worden. Ein Epigone der Karolingischen Renaissance, der fromme Mönch Ermenich von Ellwangen, hatte einmal die drastische Formel geprägt: „Wie der Mist den Acker vorbereitet, Korn zu tragen, so helfen die heidnischen Dichter, ← 44 | 45 → das Gotteswort aufzunehmen“185. Der Gang der Geschichte verlief, so der unerschütterliche Glaube derer, die sich mit ihrer Deutung beschäftigten, nach dem verborgenen Plan Gottes in Richtung auf das Weltende zu.186. Dabei treten wie Strophen in einem Liede erkennbare Abschnitte auf, die einander vorbereiten und ablösen, in der Mitte die Zeitenwende in der Inkarnation Christi, aber keine Brüche, keine Epochen in der göttlichen Partitur. Aus der Bibelexegese der Theologen187 hatte sich ein äußerst flexibles Deutungsschema entwickelt. Der Strophe der Verheißung im Alten Testament folgte die der Erfüllung im Neuen188 Das Alte Testament bereitet...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.