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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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V. Leitmotive der Chronik

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Umso anspruchsvoller klingt die Berufung auf die antiqui et sancti patres / die alten und heiligen Väter, in deren Nachfolge sich der Chronist stellt; die patres – sonst die Kirchenväter – sind keine anderen als die Autoren der Heiligen Schrift selbst (Chronik Epistola, S. 24/25). Auch sie verfolgten die Absicht (intentio) der Geschichtsschreibung281 seit eh und je, nämlich die großen Werke der Vergangenheit, zum Lob und zur Ehre (ad laudem et gloriam), und zur Belehrung der Gegenwärtigen und Zukünftigen, (et tam presencium quam futurorum informacionem) aufzuzeichnen, aber im Unterschied zu aller profanen Historie waren es „die wunderbaren Werke unseres Herrn Jesus Christus (mira Domini nostri Iesu cristi opera), die er selbst oder durch seine Diener zu wirken die Gnade hatte.“ Die Stichworte, die hier fallen, die mira opera, die nach den Evangelien die göttliche Sendung Jesu attestierten, begleiten als signa et mirabilia, Zeichen und Wunder, Dusburgs ganze Erzählung. Zeichen und Wunder bezeichnen Ereignisse, die aller Erfahrung zu widersprechen scheinen; praeter ordinem totius naturae hatte Thomas von Aquin definiert282 Für den modernen Leser ist befremdlich, dass der Chronist den Anspruch, in der Tradition der Taten und Wunder Christi zu stehen, vor allem in der innerweltlichen Behauptung seines Ordens bekräftigt sehen will und nicht dort, wo der Orden den Geboten Christi am nächsten kam: in den opera misericordiae, seiner beacht-lichen caritativen Tätigkeit und in seinem missionarischen Einsatz (der freilich hinter dem Herrschaftsstreben zurückstand und von den Ordensgegnern heftig kritisiert wurde). Dabei...

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