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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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X. Zwischenbilanz 1

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Bei der Beschäftigung mit Dusburgs Chronica terre Prussie kehrt man immer wieder zu der Fragestellung zurück: Warum hat sie der Hochmeister überhaupt in Auf ← 135 | 136 → trag gegeben, warum gerade zu diesem Zeitpunkt in der Ordensgeschichte, und was wollte er damit erreichen? Wenn er seinen Orden hätte feiern wollen, warum nicht die Geschichte des gesamten Ordens, der um diese Zeit (1330) in Europa auf mehr Anerkennung für seine caritativen Wirksamkeit in den über 20 weit verteilten Balleien rechnen konnte, als für seine in die Kritik geratene Missionstätigkeit am nördlichen Rande der katholischen Christenheit. Den Schlüssel für die Beantwortung dieser Fragen kann nur die Chronik selbst liefern, und auch dort wird sie nicht explizit ausgesprochen, sondern muss erschlossen werden. Es war zu erwarten, dass die lateinischen res gestae der Deutschherren nicht unbedingt literarische Konjunktur haben würden; professionelle Interessenten, die Latein lesen konnten, waren dünn gesät, und im übrigen hatte man traumatische Ereignisse zu verkraften: den Fall der letzten Bastion im Orient, und vor kurzem: die Liquidierung des weitaus prominentesten Ritterordens. Dazu kam, dass über dem Abgang der Deutschritter aus Akkon ein Schatten lag. Der literarische Erfolg des Buches dürfte denn auch, gemessen an der Zahl der überlieferten Handschriften (sechs Hss., davon keine aus dem Mittelalter560, gegenüber 20 Hss. von Jeroschins Kronike, die Hälfte davon aus dem 14. Jh.561;562) nicht allzu groß gewesen sein. Das Werk war zudem kein flammendes Bekenntnis zu einem neuen Orientkreuzzug, wie...

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