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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XV. Neuorientierung

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Lässt man die Frühgeschichte des Deutschen Ordens Revue passieren, so stellt sie sich als eine Periode dar, in der der Orden Objekt, d. h. nicht Herr seiner Handlungen war, Objekt der Politik der beiden konkurrierenden Universalmächte im Abendland. Seine Chancen im „Werden und Wachsen“816 lagen in der Nutzung bestimmter günstiger Konstellationen, bei deren Ausbeutung, der Umsetzung in Privilegien, sich der Hochmeister Hermann von Salza als Meister erwies (s. Kapitel VI. 5. 1). Die erhaltenen Privilegien stellten Stufen der Emanzipation dar (s. Kapitel VIII. 4. 2), verpflichteten aber gleichzeitig den Orden. Ein Wendepunkt zeichnet sich ab mit den Plänen zum Erwerb eines ordenseigenen Territoriums. Zunächst bestand eher noch vermehrte Abhängigkeit vom Wohlwollen der beiden Mächte. Das Gewicht verschob sich zu Gunsten des Deutschen Ordens mit der Eroberung eines genuin heidnischen Landes. Anders als die Schauplätze einer Reconquista wie Sizilien, die iberische Halbinsel oder das Heilige Land, war das Prussenland niemals christlich gewesen817 und hatte sich allen Kolonisationsbestrebungen erfolgreich widersetzt. Beide Mächte, der Kaiser wie der Papst, hatten in ihren Privilegien dem Orden den Besitz seiner Eroberungen zugesichert, jede aufgrund eines universalen Herrschaftsanspruches, im konkreten Falle aber politisch substanzlosen Anspruchs. Ungeachtet ihrer anders konstruierten Begründung bestätigen die fraglichen Privilegien den Besitz des Landes nach Erobererrecht. Die Bedeutung dieser Dokumente lag in der Zukunft, nach der vollzogenen Eroberung.818 Gelang diese, würde der Orden alleiniger Herr des Landes Preußen, de facto wie de jure. Gelang sie nicht, wären...

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