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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XX. Krisen holen die Orden ein. Die Katastrophe des Templerordens

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Im Deutschen Orden wirkte nicht nur die Regel der Templer fort, die man 1190 für die Ritterbrüder übernommen hatte1262 und ihre gleichfalls adoptierten consuetudines (Gewohnheiten),1263 auch die von Bernhard im Templermanifest entworfene Lebensführung in zisterziensischem Geist bestimmt noch ungebrochen Peter von Dusburgs Chronik. Allerdings hatte der Verlauf der Geschichte den Mythos des Heiligen Landes und der Stadt Jerusalem weitgehend entzaubert.1264 Zuerst die Stadt ← 290 | 291 → und dann das ganze Land waren wiederum an die Ungläubigen gefallen. Die eschatologischen Verheißungen hatten sichtlich nicht den Kreuzfahrern gegolten – oder sie hatten sie verfehlt peccatis impiorum hominum exigentibus / um der Sünden ruchloser Menschen willen.1265 Der Ausgang der Kreuzzüge musste als die vielleicht schwerste Glaubens-Prüfung wirken; denn die Frage ließ sich nun nicht mehr abweisen, ob die Christenheit nicht Gottes Willen gründlich verfehlt habe. Diejenigen die diese Anschauung als Gruppe vertraten und daraus Folgerung zogen, angefangen mit der sozial-religiösen Bewegung der Caputiati um 1180 in der Auvergne,1266 die franziskanischen Spiritualen, die Bogumilen und Waldenser ohnehin, die sahen sich an den Rand gedrängt bzw. darüber hinaus.

Die Aufhebung des Templerordens und das furchtbare Ende des Großmeisters Jacques de Molay (1314) und vieler seiner Ritter von der Hand des allerchristlichsten Königs von Frankreich musste vor allen Zeitgenossen die Deutschordensritter betroffen machen, die durch ihre Prokuratoren am päpstlichen Hof in Avignon wie vorher in Rom genau unterrichtet waren. Gerade der amtierende Hochmeister Karl von Trier (1311–1324), ein...

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