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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XXXIV. Konsolidierung per Expansion

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Rückwärtsgewandt sehen wir Heutigen im Geschehen nach dem Vertragsschluss eine vertane Chance für friedliche Landesentwicklung und Prosperität im Lande Preußen. Woher das kam? Den Verlierern fällt es stets schwer, bei den von den Siegern verfügten Veränderungen eine Entwicklung zum Positiven zu erkennen. Wahrscheinlich kamen die im Vertrag vereinbarten „Zugeständnisse“ nicht wirklich beim gemeinen Volk an. Der Ordenschronist überspringt jedenfalls diese Zeitspanne, die ein positiver Neuanfang hätte sein können, und nimmt die weiter fortschreitende militärische Expansion des Ordens in den Blick. Die Prussen hätten in der Tat die große Ausnahme in der Kolonisationsgeschichte dargestellt, wenn bei ihnen nicht verletzter Stolz und nostalgischer Trotz und Groll hochgekommen wären, sobald man das gegenwärtige Regiment mit dem Zustand von einst verglich. Der Vertrag ließ jedoch keinen Weg „zurück“ zu; er versperrte ihn mit der härtesten Sanktion, dem Verlust der Freiheit im Falle eines erneuten Aufstandes. Der brach sechs Jahre später, im Jahre 1260 los.

Der erste, Jahre andauernde Aufstand hatte unmittelbar die Konsolidierung der Herrschaft über das in Besitz genommene Territorium als fragwürdig erwiesen und die Entwicklung um viele Jahre zurückgeworfen, aber er dürfte auch die Verantwortlichen veranlasst haben, ihre Konzepte neu zu überdenken. Die prekäre Situation während des Aufstands hatte im Reich, und nicht nur dort, alarmierend gewirkt. Gewiss, der Anreiz, den der Kreuzzugsablass bot, sollte nicht unterschätzt werden, aber es gibt auch Anzeichen dafür,...

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