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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XXXV. Recht und Gewalt. Faktizität und Fiktionalität

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Eigentümlicherweise sind es nicht einmal so sehr die typisch mittelalterliche Sicht und das zeitübliche Kolorit von Dusburgs Narrativ, die im Abstand der Jahrhunderte befremdlich wirken, sondern die Stoffauswahl und die Gewichtung, die der Autor mit seinen Erzählstoffen vornimmt. Warum hat Peter von Dusburg den elfjährigen Krieg (1242–1253) gegen Swantopolk und die verbündeten Prussen bei anscheinend schwieriger Quellenlage so breit ausgeführt? Es ging ihm offenbar einmal darum, die heroischen Anfänge der Ordensherrschaft in einer Form aufzubewahren, die narrativ weiterwirken sollte und als ordenseigene Exempla weitergereicht werden konnte. Im typologisch angelegten Gesamtplan fallen diese Kapitel in die Zeit der „Wüstenwanderung“ und der Bedrohung des neuen Gottesvolkes durch die heidnischen Nachbarn. Die Chronik achtet sehr genau darauf, dass im Berichtszeitraum keine Anhaltspunkte für einen Konflikt mit den polnischen Glaubensgenossen aufscheinen. Die Unterscheidung einer Periode guten Einvernehmens mit Polen im 13. Jahrhundert ist nicht willkürlich, und sie ist auch nicht ordensspezifisch Sie findet z. B. späte Unterstützung bei einem dezidierten Feind des Deutschen Ordens, dem polnischen Chronisten Jan Długosz (1415–1480), Verfasser der Annales regni Poloniae. Długosz erklärt nicht nur die Schenkung des Kulmerlandes als für ihre Zeit vernünftig, er zählt auch alle gemeinsamen Waffentaten auf, die den Deutschen Orden mit den Polen verbinden.2459 Vielleicht bestand aber für Dusburgs Stoffauswahl ein direkter Gegenwartsbezug. Die Zeit der Richtungskämpfe im Orden lag noch nicht so lange zurück. Unter dem Vorgänger des amtierenden Hochmeisters...

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