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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XXXIX. Die irdischen Nothelfer

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Das Militärwesen des Ordensstaats war und blieb die Voraussetzung für die selbstgewählte Rolle als Träger des Heidenkampfs an den Grenzen Nordosteuropas. Gerade dieser Krieg in Permanenz half, den einmaligen Status des Ordens zu sichern. Für den europäischen Adel waren die Litauerreisen zu einer Institution geworden, die die Kurie, wenn auch mit wachsendem Missvergnügen, decken musste. Freilich stand der religiöse Bonus, der Ablass, auf dem Spiel, wenn dem Deutschen Orden wegen Unbotmäßigkeit das Kreuzzugsprivileg entzogen würde. Für die Chronik existiert dieses Problem nicht. An vielen Stellen wird die aus dem gemeinsamen Glauben rührende Solidarität jener „Pilger in Waffen“ mit dem Orden hervorgehoben.

Der Ordenschronik ist die Absicht abzuspüren, das Gedenken an die Toten, die Memoria, hochzuhalten, auch die der Gefallenen, die nicht dem Orden angehörten. Aufschlussreich für die Mentalität mancher Kampfgefährten aus Adel und Ritterschaft ist eine Begebenheit aus der verlorenen Schlacht bei Pokarben (Natangen) am 22 Jan. 1261 (Chronik III, 91; S. 212–215): Die Pilger und die Brüder wehrten sich tapfer, besonders ein Ritter aus Westfalen namens Stenckel von Bentheim, der in der Predigt eines Bischofs gehört hatte, dass die Seelen der in Preußen gefallenen Gläubigen ohne jedes Fegfeuer in den Himmel emporfliegen würden, und er gab seinem Streitross die Sporen, brach nach Ritterart mit eingelegter Lanze durch die Scharen der Feinde und tötete die Gottlosen [Natanger] zur Rechten und zur Linken, und...

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