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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XLIV. Der Orden per Saldo im Jahre 1330

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Für den Deutschen Orden wurden im unmittelbaren Berichtszeitraum des Chronisten die Weichen für die Zukunft gestellt; möglicherweise hat er das so gesehen. Bei aller Skepsis in Bezug auf die Zukunft der Welt im gegenwärtigen Äon gab es für den Orden angesichts der dynamischen Entwicklung in den beiden ersten Jahrzehnten Hoffnung, das Jahrhundert werde dem Orden neue Höhepunkte bescheren, was unter Hochmeister Winrich von Kniprode (1352–1382) dann auch eintrat. Aber in Dusburgs Zeit fällt die Genese des Konflikts, der keinen echten, dauerhaften Frieden mit den polnischen Nachbarn mehr zustande kommen ließ und dem Orden über den „Heidenkampf“ hinaus seine Erscheinungsform als Militärstaat auf Dauer aufzwang. Der Hochmeister Werner von Orseln scheute vor dem Krieg mit dem Polen König Władisław Łokieteks nicht zurück. Aus gesamtkirchlicher Perspektive war dieser Konflikt zwischen christlichen Nachbarstaaten, die selbst von heidnischen Einfällen bedroht waren, ein Unding. Er hätte durch päpstlichen Schiedsspruch gelöst werden sollen. Dazu hätte sich der Orden dem Schiedsspruch beugen müssen; so ging er einfach darüber hinweg. Der Orden nahm zwar in Anspruch, dort, wo er war, im gesamtchristlichen Auftrag zu stehen, er war aber nicht bereit, sich als Gleicher unter Gleichen in die Familie christlicher Staaten einzuordnen. Das hätte geheißen, sich von der Idee vom endzeitlichen Auftrag zu lösen und damit ein Kernstück seiner Identität preiszugeben. Die bisherige Ordensgeschichte, wie sie die Chronik beschrieb, konnte als Bestätigung des...

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