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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XLV. Zur Genese eines folgenschweren Konflikts

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In der Realität war der Deutsche Orden somit dahin zurückgekehrt, von wo er 1229 aufgebrochen war – diesmal als Feind. Und damit drängt sich die Frage nach der geschichtlichen Zwangsläufigkeit einer Entwicklung auf, die das Verhältnis der beiden Völker, der Deutschen und der Polen, bis ins 20. Jahrhundert auf Feindschaft hin festgelegt und zuletzt – wenigstens formal – einen Weltkrieg ausgelöst hat. Freilich waren die Gräben zuvor nie so tief gewesen wie im Zeitalter der Nationalismen. Geradezu unterschlagen wurde in der modernen Diskussion, dass es der gemeinsame katholische Glaube gewesen war, der den Deutschen Orden ins Land gebracht hatte, und der bis zur Reformation die Ethnien kulturell verband. Denkt man an die Heiratspolitik der Aristokratie bis in die Neuzeit, so scheint die Nationalität die geringste Rolle gespielt zu haben, verglichen mit dem, was die Partner in die Ehe brachten. Und es hat Stadien eines produktiven Miteinanders von Deutschen und Polen gegeben, in Schlesien zum Beispiel, und in den neu gegründeten Städten – wie am Anfang im Kulmerland. Selbst der polnische Historiker Jan DŁUGOSZ ← 688 | 689 → (1415–1480),2662 der den Orden wahrlich hasste, musste einräumen,2663 dass die Schenkung des Kulmerlands an den Orden damals „vernünftig und recht“ gewesen sei, und dass Deutschritter und Polen bis weit ins 13. Jahrhundert als Verbündete aufgetreten seien, so bei der Gründung von Thorn, im Dreibund mit Swantopolk von Pommerellen , als Teilnehmer der Mongolenschlacht bei Liegniz, dann in der Auseinandersetzung mit Herzog...

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