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Die Entstehung des modernen Erziehungsdenkens aus der europäischen Expansion

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Susanne Spieker

Die erziehungshistorische Forschung richtet ihre Analysen meist auf den Nationalstaat des 19. und 20. Jahrhunderts. Wird ihr Narrativ näher beleuchtet, zeigt sich eine Gründungserzählung, die den eigenen Forschungsbereich als Teil Europas und des Westens konstruiert. Die Autorin veranschaulicht mit zwei Studien zur Frühen Neuzeit den Beitrag der europäischen Expansion zur Herausbildung modernen Erziehungsdenkens: Bernardino de Sahagún (1499-1590) und John Locke (1632-1704) waren auf je unterschiedliche Weise an der Kolonialisierung Amerikas beteiligt. Neuere Ideengeschichte und Globalgeschichte leiten die Untersuchung; umfassend berücksichtigt werden zeitgenössische Kontexte und globale Verflechtungen. Spiekers Analyse führt im Ergebnis zu einer neuen Erzählung über Erziehung in der Moderne.
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1. Einleitung

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In der vorliegenden Studie wird der Versuch unternommen, unter Rückgriff auf historische Quellen der Frühen Neuzeit und der Aufklärung − vom 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert − die Auseinandersetzung der Europäer mit den Bewohnern der Amerikas1 in der Zeit der europäischen Expansion in die Geschichte der Entstehung modernen Erziehungsdenkens zu integrieren. Diese Untersuchung geht der Frage nach der Bedeutung dieses Kontextes für die jeweilige Reflexion über Erziehung in zwei bildungshistorischen Teilstudien nach. Beide Studien nehmen die globalhistorischen Zusammenhänge, vor denen eine solche Ausgangsfrage beantwortet werden kann, in den Blick. Diese Herangehensweise vermittelt einen Einblick in die komplexen Zusammenhänge des Kolonialismus, der kein einheitliches historisches Phänomen ist, und verdeutlicht, wie sich dieser Bezugsrahmen in unterschiedlichen Zeiträumen auswirkte. Beide Studien untersuchen Primärmaterial und nehmen den Kontext der Entstehung der Quellen im Verhältnis zur Beteiligung der beiden Akteure an der jeweiligen Expansion in den Blick. Vor dem Hintergrund der heutigen Debatten über die Bedeutung und die Anfänge der Globalisierung besteht eine Notwendigkeit, die überregionalen Vernetzungen und ihre jeweilige Relevanz im Hinblick auch auf die Entstehung ← 15 | 16 → moderner Wissenschaften in ein neues Licht zu rücken. Dazu möchte meine Untersuchung einen Beitrag leisten.

“European modernity is not an independent, autopoietic, self-referential system, but instead is part of a world-system: in fact, its centre. Modernity, then, is planetary. It begins with the simultaneous constitution of Spain with reference to its ‚periphery‘ (first of all, properly speaking, Amerindia: the...

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