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Die Entstehung des modernen Erziehungsdenkens aus der europäischen Expansion

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Susanne Spieker

Die erziehungshistorische Forschung richtet ihre Analysen meist auf den Nationalstaat des 19. und 20. Jahrhunderts. Wird ihr Narrativ näher beleuchtet, zeigt sich eine Gründungserzählung, die den eigenen Forschungsbereich als Teil Europas und des Westens konstruiert. Die Autorin veranschaulicht mit zwei Studien zur Frühen Neuzeit den Beitrag der europäischen Expansion zur Herausbildung modernen Erziehungsdenkens: Bernardino de Sahagún (1499-1590) und John Locke (1632-1704) waren auf je unterschiedliche Weise an der Kolonialisierung Amerikas beteiligt. Neuere Ideengeschichte und Globalgeschichte leiten die Untersuchung; umfassend berücksichtigt werden zeitgenössische Kontexte und globale Verflechtungen. Spiekers Analyse führt im Ergebnis zu einer neuen Erzählung über Erziehung in der Moderne.
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4.3 Englische Expansion in Some Thoughts concerning Education

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Locke schrieb seine Erziehungsschrift für eine gentry, die eine bestimmte Beziehung zum Land, eine soziale Rolle und eine puritanische Grundhaltung auf sich vereinte. Diese gentry sah er als Leuchtturm der Gesellschaft an (vgl. Some Thoughts, Dedication, 80). Lockes Positionierung, als Teil einer puritanischen Strömung in der gentry, prägte seine Erziehungstexte, seinen Gesellschaftsentwurf, aber ebenso seine Form der Beteiligung an der englischen Expansion (vgl. Laslett 2005, 43f.).

Dass der Zugriff auf verschiedene Formen des Eigentums verschiedene Charaktereigenschaften in Personen entstehen ließ – eine Auffassung, die sich auch bei Locke findet – war in der Frühen Neuzeit, so Brewer/Saves (1995, 6), eine vertraute und viel diskutierte Vorstellung. Frühneuzeitliche Kommentatoren verbanden die zeitgenössische Differenzierung der Eigentumsformen mit den Eigenschaften von Personen, wie den „new men of commerce and money“ (Brewer/Staves 1995, 6). Der sichere, anmaßende Erbe des Grundbesitzes stand etwa einem sorgenvollen, vielleicht neidischen, jüngeren Bruder gegenüber. Oder der unabhängige, dem Gemeinsinn verpflichtete Landbesitzer stand in Kontrast zum unterwürfigen eigennützigen Anwalt oder Wertpapiermakler. Der Zugriff auf das Familienvermögen sicherte dem einen mehr Einfluss, mehr Rechte und mehr Macht über alle unter ihm stehenden. Entsprechend relevant waren Stand und Charakter auch im Hinblick auf die Fragen einer angemessenen Erziehung. In diesem Kontext ist auch die Bedeutung von industry bei der Aneingung in Of Property der Second Treatise zu sehen. Zudem konkurrierten Vertreter der gentry untereinander um beste Posten, die besten Kontakte und um die Investitionen, die sicherste Gewinne versprachen....

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