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Gottes Gerechtigkeit und Evangelium im Römerbrief

Die Rechtfertigungslehre des Paulus im Vergleich zu antiken jüdischen Auffassungen und zur Neuen Paulusperspektive

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Jacob Thiessen

In Bezug auf den Römerbrief des Paulus werden nach wie vor intensive kontroverse Diskussionen geführt. Besonders das Thema Rechtfertigung wurde durch die Neue Paulusperspektive noch wesentlich verstärkt. Diese Studie zeigt die Entwicklung hin zur «neuen Perspektive» auf und legt eine alternative Deutung vor, indem sie sich anhand von zentralen Texten des Römerbriefs mit dem Gedankengut der «neuen Perspektive» exegetisch auseinandersetzt. Auch der «jüdische Kontext» der paulinischen Ausführungen wird untersucht und mit den Aussagen des Apostels verglichen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die paulinische «Rechtfertigungslehre» sowohl wichtige soteriologische als auch ekklesiologische Aspekte beinhaltet, die weder getrennt noch gegeneinander ausgespielt werden sollen.
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2. Die Herausforderung durch die Neue Paulusperspektive

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2.Die Herausforderung durch die Neue Paulusperspektive

2.1.Einführung

Die Rede von einer „Neuen Paulusperspektive“ in Bezug auf die Paulusforschung kann seit einigen Jahren kaum mehr überhört werden.1 Wie im Folgenden dargelegt wird, ging es zuerst jedoch nicht um eine neue Sicht des Paulus, sondern um eine neue Sicht des Judentums seiner Zeit.2 Weil man offensichtlich nicht stehen lassen wollte, dass Paulus das Judentum seiner Zeit missverstanden habe, wie z. B. vom jüdischen Theologen Claude G. Montefiore behauptet wurde, führte das zu einer „neuen“ Paulusauslegung, welche sich von der reformatorischen Rechtfertigungslehre zumindest zum Teil distanzierte. Auf Grund von dieser Sachlage scheint nicht immer klar zu sein, wer schlussendlich wen falsch verstanden haben soll und wer „neu“ verstanden wird. Im Folgenden soll die Entstehung dieser „neuen Perspektive“ in einem kurzen Überblick dargelegt werden.

Bereits im Jahr 1897 hatte Paul Wernle die These aufgestellt, dass Paulus „zur Aufstellung der Rechtfertigungslehre genötigt worden“ sei, und zwar „durch die Schwierigkeiten, welche seinem theokratischen Bewusstsein aus seinem Missionsruf erwuchsen“. Nach Wernle dient die Rechtfertigung „lediglich der Heidenmission“.3 Im 20. Jahrhundert wurde diese Sicht weiterentwickelt bis hin zur „Neuen Paulusperspekte“, nach welcher es bei der Rechtfertigung, wie Paulus sie darstellt, nicht um Soteriologie, sondern um Ekklesiologie, bzw. nicht um die Frage, wie der Mensch gerettet wird, sondern um die Frage, wie er nicht vom Volk Gottes ausgeschlossen werden darf, geht.

2.2.Einzelne Wegbereiter der „neuen Perspektive“

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