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Gottes Gerechtigkeit und Evangelium im Römerbrief

Die Rechtfertigungslehre des Paulus im Vergleich zu antiken jüdischen Auffassungen und zur Neuen Paulusperspektive

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Jacob Thiessen

In Bezug auf den Römerbrief des Paulus werden nach wie vor intensive kontroverse Diskussionen geführt. Besonders das Thema Rechtfertigung wurde durch die Neue Paulusperspektive noch wesentlich verstärkt. Diese Studie zeigt die Entwicklung hin zur «neuen Perspektive» auf und legt eine alternative Deutung vor, indem sie sich anhand von zentralen Texten des Römerbriefs mit dem Gedankengut der «neuen Perspektive» exegetisch auseinandersetzt. Auch der «jüdische Kontext» der paulinischen Ausführungen wird untersucht und mit den Aussagen des Apostels verglichen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die paulinische «Rechtfertigungslehre» sowohl wichtige soteriologische als auch ekklesiologische Aspekte beinhaltet, die weder getrennt noch gegeneinander ausgespielt werden sollen.
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4. Die Rechtfertigung im Römerbrief angesichts jüdischer Auffassungen und der Neuen Paulusperspektive

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4.Die Rechtfertigung im Römerbrief angesichts jüdischer Auffassungen und der Neuen Paulusperspektive

4.1.Kritik am jüdischen Selbstruhm

4.1.1.Vorbemerkungen zu Röm 1,18–32 und 2,1–29

In Röm 2,17ff. spricht Paulus ausdrücklich „den Juden“ an. Es ist umstritten, ob er im ganzen Kapitel vor allem Juden anspricht. Bruce sieht in Röm 2,1–16 insbesondere den allgemeinen „Sittenlehrer“ angesprochen.1 Offensichtlich ist, dass Paulus im ganzen Kapitel Menschen anspricht, die mit dem, was er in Röm 1,18–32 ausgeführt hat2, grundsätzlich einverstanden sind3 und sich auf ihre „gute Moral“ verlassen4, aber im Herzen genauso unbußfertig sind wie die anderen (vgl. Röm 2,5)5, ja im Grunde genommen sogar das Gleiche tun (vgl. Röm 2,1). Paulus stellt diejenigen, die das alttes ← 77 | 78 → tamentliche Gesetz nicht haben, denen gegenüber, die es haben (Röm 2,12–15). Diese Gegenüberstellung macht deutlich, dass im gesamten Kapitel primär Juden angesprochen werden6, die in Röm 2,17 ausdrücklich erwähnt werden. „Der Jude“ rühmt sich auf Grund der Tora (vgl. Röm 2,17ff.) und der Beschneidung (vgl. Röm 2,25ff.), was Paulus nicht grundsätzlich kritisiert.7 Aber er betont, dass es schlussendlich darauf ankommt, dass der im „Gesetz“ offenbarte Gotteswillen getan wird, wobei er diesbezüglich auch bei „den Juden“ mangelhafte Erfüllung feststellt. Es geht Paulus im Grunde darum zu zeigen, dass sowohl der...

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