Show Less
Restricted access

Blattdolmetschen in paradigmatischer Perspektive der anthropozentrischen Translatorik

Series:

Jerzy Zmudzki

Der Autor identifiziert das Blattdolmetschen als eine autonome Translationsart, die er typologisch zuordnet. Seine Untersuchungen vollziehen sich im Paradigma der anthropozentrischen Translatorik von F. Grucza und S. Grucza. Sie stützen sich auf originelles Textmaterial, also auf Aufzeichnungen von authentischen Verdolmetschungen. Hierbei wird die Methode der Autodeskription von mentalen Prozessen während des Blattdolmetschens und der Sprechsynthesizer angewandt. Jerzy Żmudzki kommt zu einer konträren Differenzierung des Blattdolmetschens gegenüber den bisherigen Zuordnungen und Definitionen u. a. als (Stegreif-)Übersetzen. Einer wesenhaften Kennzeichnung werden im Buch auch das Controllingsystem und seine Funktionsweise im Blattdolmetschprozess unterzogen.
Show Summary Details
Restricted access

6. Blattdolmetschen in seiner typologischen Identität und prozessualer Autonomie

Extract



Im Folgenden wird versucht, einen interpretativ-typologischen Nachweis der Identität des Blattdolmetschens und zugleich auch seiner prozessualen Autonomie zu liefern. Dies erfolgt, wie deklariert und im voraufgegangenen Text an vielen Stellen signalisiert, in einer methodologischen Konsequenz und Übereinstimmung mit dem Paradigma der anthropozentrischen Translatorik, das insbesondere in Form des detailliert dargestellten (Kapitel 3) Funktionsholismus präzisiert wurde. Zwecks einer interpretativen Verankerung sei an dieser Stelle nochmals die frühere identitätsstiftende Definition (J. Żmudzki 2000: 355) des Blattdolmetschens als Basis angeführt; sie lautet also:

„Es ist eine Translationsart, für die charakteristisch ist, dass im Translationsprozess die Phase der Rezeption mit der visuellen Perzeption beginnt, aus der die rezeptive Sinnkonstruktion als Effekt der kognitiven Rekonstruktion resultiert, die simultan gemäß der Translationsaufgabe (ein jeweils aktuelles strategisches Profil der Translationsprozesse) zu adäquaten ZS-Textprofilen im Rahmen des Transfers verarbeitet und in entsprechende mündliche ZS-Texte für konkrete ZS-Adressaten zwecks Realisierung der jeweils konkreten Translationsaufgabe umgewandelt (vertextet) und artikuliert wird.“

Und unter dem Begriff des blattdolmetschspezifischen Transfers (ebenda) „verstehe ich also eine mental-kognitive, durch den Dolmetscher vorgenommene Überführung der zunächst vom AS-Texter gedachten dann sprachlich-schriftlich geäußerten, d.h. signalisierten und vom Dolmetscher rezipierten Inhalte als Textganzheiten, die alle im Blattdolmetschgefüge als Kommunikationsgefüge aktualisiert werden.“

Als entscheidendes Zuordnungskriterium erscheint hier – im Gegensatz zu den klassischen Definitionen von O. Kade (1968: 35) und vielen anderen (ausgenommen Fr. Pöchhacker 1997: 218-219) – das Kriterium des Komunikationsbelangs und generell der spezifischen kommunikativen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.