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Blattdolmetschen in paradigmatischer Perspektive der anthropozentrischen Translatorik

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Jerzy Zmudzki

Der Autor identifiziert das Blattdolmetschen als eine autonome Translationsart, die er typologisch zuordnet. Seine Untersuchungen vollziehen sich im Paradigma der anthropozentrischen Translatorik von F. Grucza und S. Grucza. Sie stützen sich auf originelles Textmaterial, also auf Aufzeichnungen von authentischen Verdolmetschungen. Hierbei wird die Methode der Autodeskription von mentalen Prozessen während des Blattdolmetschens und der Sprechsynthesizer angewandt. Jerzy Żmudzki kommt zu einer konträren Differenzierung des Blattdolmetschens gegenüber den bisherigen Zuordnungen und Definitionen u. a. als (Stegreif-)Übersetzen. Einer wesenhaften Kennzeichnung werden im Buch auch das Controllingsystem und seine Funktionsweise im Blattdolmetschprozess unterzogen.
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7. Sub- und transmediale Grenzfälle des Blattdolmetschens

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Wenn über Grenzfälle des Blattdolmetschens, wie es in der Kapitelüberschrift annonciert ist, interpretative Überlegungen angestellt werden sollen, so sind damit nur bestimmte praxisorientierte Autonomie-Grenzen des Blattdolmetschens gemeint. Der prozessbedingte Autonomieverlust resultiert jeweils aus der subjunktiven Position des Blattdolmetschens als operativer Bestandteil eines dominierenden Komplexes von drei Translationsarten und zwar des Konsekutiv-, des Simultan- und des Kommunaldolmetschens. Daher betrachte ich das vollzugsintegrative Vorkommen des Blattdolmetschens im Rahmen des Translationsprozesses der genannten Translationsarten nicht in Kategorien einer gewissen Hybridität, sondern verweise entschieden auf die Subjunktivität als Position des Blattdolmetschens, die sich aus seiner Operationshierarchie im Translationsprozess ergibt. Sowohl im Falle des Konsekutivdolmetschens, des Simultan- als auch des Kommunaldolmetschens wird der subjunktive Einsatz des Blattdolmetschens recht fakultativ bzw. sogar gelegentlich (wie es die Dolmetschpraxis lehrt) realisiert und ist daher als eine Sondersituation speziell im Rahmen des Simultandolmetschens zu betrachten, wenn also der Dolmetscher ein Manuskript des AS-Textes zur entsprechenden Vorlage und Verfügung in der Kabine bekommt und auf dieser Vorlage seine ZS-Textproduktion tätigen kann. Bei einer tiefgreifenden analytischen Betrachtung und Spezifizierung dieser Sondersituation in der Dolmetschkabine ist auf zwei mögliche Varianten hinzuweisen, und zwar erstens auf die zeitliche Parallelität der AS-Textdarbietung und seiner Verfügbarkeit in schriftlicher Fassung durch den Simultandolmetscher. Daraus ergibt sich eine doppelte Perzeption des AS-Textes sowohl in seiner materiell-akustischen als auch seiner entsprechenden materiell-graphischen Form durch den Dolmetscher, weil die beiden Darbietungsmodalitäten als konkrete Quellen sowohl der auditiven als auch gleichzeitig der visuellen Stimuli im AS-Textrezeptionsprozess fungieren. Diese...

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