Show Less
Restricted access

Der gescheiterte Anti-Faschismus der SED

Rassismus in der DDR

Harry Waibel

Über 8600 neo-nazistische, rassistische und antisemitische Propaganda- und Gewalttaten sind für die DDR belegt, bei denen es tausende Verletzte und mindestens zehn Tote gegeben hat. Der Anteil antisemitischer Angriffe liegt bei etwa 900 Vorfällen, davon betreffen etwa 145 Schändungen jüdischer Friedhöfe und Gräber. Der Anteil der rassistischen Angriffe liegt bei rund 725 Vorfällen. Rassismus, Neo-Nazismus und Antisemitismus waren Bestandteil des öffentlichen Lebens und sie wurden von der SED konsequent geheim gehalten. Die Ursachen dafür wurden geleugnet und verdrängt oder dem Einfluss des Westens zugerechnet, oder es wurden die Opfer selbst dafür verantwortlich gemacht. Da der Anti-Faschismus der SED keine effiziente Abwehr dieser gefährlichen politischen Strömungen hervorbringen konnte, wird er als gescheitert eingestuft.
Show Summary Details
Restricted access

3. Rassistische Pogrome

Extract



Rassistische Angriffe fanden sowohl statt durch entsprechendes Vorgehen staatlicher Institutionen, als auch durch rassistische Angriffe in der Gesellschaft, wenn sich in den 1970er und 1980er Jahren einzelne Rassisten oder spontan gebildete Gruppen von Rassisten auf den Weg machten, Ausländer psychisch und physisch anzugreifen In den 1950er und 1960er Jahren lag der Schwerpunkt bei einer Verehrung (20. April) einzelner Nazi-Größen, bei Hakenkreuz- bzw. SS-Runen-Schmierereien, bei der Schändung jüdischer Friedhöfe und dem Grölen von anti-semitischen und neo-nazistischen Liedern.

Die Ausländer waren das Ziel rassistischer Aggressionen und Ressentiments, gespeist aus Sozial-Neid und sozial-darwinistischen Anschauungen. Immer wieder wurde ihnen eine mangelnde Einstellung zur Arbeit vorgeworfen oder ihre Ordnungs- und Sauberkeitsgewohnheiten wurden wieder und wieder als „Ekel erregend“ abqualifiziert. Die Unzufriedenheit vieler Deutscher über ihre eigene politische und ökonomische Situation, entlud sich in offenen Aggressionen gegen die Migranten. Diese kleinmütigen und ängstlichen Deutschen, die es nicht wagten gegen die tatsächlichen Urheber der Misere zu kämpfen, benutzten die Ausländer als Sündenböcke für die Abfuhr ihrer Frustrationen.

3.1 Angriffe auf Wohnheime für ausländische Arbeiter

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.