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Die narrative Anamnese im Rahmen einer biographischen Diagnostik im pflegerischen Setting der kardiologischen Rehabilitation

Eine konzeptuelle Entwicklung

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Miriam Tariba Richter

In der stationären kardiologischen Rehabilitation steht kein geeignetes diagnostisches Instrument zur Verfügung, um individuelle und psychosoziale Probleme und Ressourcen der Rehabilitand_innen einzuschätzen. Dadurch werden bestehende individuelle, soziale, geschlechts- und altersspezifische Anforderungen häufig verkannt und angestrebte Rehabilitationsziele können nur eingeschränkt erreicht werden. Durch die Entwicklung einer narrativen Pflegeanamnese und biographischen Pflegediagnostik können im Gegensatz zur herkömmlichen Diagnostik subjektive und kontextspezifische Bedeutungsstrukturen erhoben und vielfältige Verstehensprozesse gefördert werden. Damit gelingt es, wichtige Rehabilitationsziele an die subjektiven Anforderungen der Rehabilitand_innen anzupassen sowie deren Partizipation zu fördern.
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2.3.3.2.2. Die Lebensgeschichte von Herrn HB

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2.3.3.2.2.Die Lebensgeschichte von Herrn HB

Im Folgenden wird nun die Lebensgeschichte in ihrer kontextuellen Einbettung vorgestellt und der Versuch unternommen, diese weitgehend chronologisch zu strukturieren. Hierbei fließen die Ergebnisse der Analyse der objektiven Daten, die Textanalyse und thematische Feldanalyse, die Rekonstruktion der Fallgeschichte, die Kontrastierung der erzählten mit der erlebten Lebensgeschichte und die Feinanalyse mit ein. Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden von den biographischen Daten für die Hypothesen des ersten Schrittes gesprochen. Bei der Text- und thematischen Feldanalyse wird der Begriff des „erzählten Lebens“ verwendet und für die Rekonstruktion der Fallgeschichte von der Analyse des „erlebten Lebens“ gesprochen. Alle dargestellten Strukturhypothesen werden auszugsweise anhand empirischer Indikatoren47 aufgezeigt und die Auswertung an einigen Stellen aufgrund der besseren Nachvollziehbarkeit ausführlicher dargestellt.

Kindheit und Jugend

Von seiner vorberuflichen Sozialisation erzählt Herr HB relativ wenig. Er eröffnet das Interview nach der Frage zu seiner Lebensgeschichte mit: „… na gut (.) fang´ wir an (.) als Säugling brauch´ mir nicht anfangen (.) dann fang wir mal an wie wir angefangen sind (..) zu arbeiten …“ (1/21–22). In der Analyse des erlebten Lebens kann das Personalpronomen „wir“ darauf hinweisen, dass von einem üblichen Werdegang ausgegangen wird. Herr HB unterstellt, dass die Kindheit keine Rolle spiele, da sie den üblichen Verlauf genommen habe, und setzt somit den Beginn der Lebensgeschichte mit dem Beginn der Ausbildung bzw. der beruflichen Laufbahn gleich. Damit könnte sich ein Hauptbezugspunkt in seinem Leben ankündigen. Nach der Einführung...

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