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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Die Berliner Polizei in der „Stunde Null“ Jochen Staadt

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Die Berliner Polizei in der „Stunde Null“

von Jochen Staadt

In zeitgeschichtlichen Darstellungen der Spaltung Berlins verschwinden die politischen Grundsatzkontroversen der ersten Nachkriegsjahre meist hinter der Chiffre des „Kalten Krieges“. Die Motive der politischen Akteure auf der deutschen Seite werden häufig einer angeblich rasch erfolgten Einordnung in die durch weltpolitische Rahmenbedingungen vorgegebene Lagerbildung untergeordnet. Dies gilt mehr oder weniger auch für einige Arbeiten zur Berliner Polizeigeschichte nach 1945. Doch bereits vor dem Ausbruch des Kalten Krieges, den die Geschichtswissenschaft überwiegend auf das Jahr  1947 datiert, waren in Berlin die Würfel im Streit um die politische Zukunft gefallen.

Der institutionellen Verortung der Berliner Polizei kam im Verlauf der Auseinandersetzung um die städtische Selbstverwaltung eine herausragende, in vielerlei Hinsicht sogar das öffentliche Bewußtsein prägende Bedeutung zu. Eine Rekapitulation der Kontroversen bis zur Verwaltungsteilung Berlins in Ost und West zeigt auf dem heute gegebenen Kenntnisstand der konkreten Konfliktverläufe, daß zunächst nicht vorrangig weltpolitisch abgeleitete Lagerkonstellationen den Zündstoff für Mißtrauen und institutionelle Grabenkämpfe lieferten, sondern unterschiedliche Vorstellungen über die politische Ordnung im „neuen Deutschland“. Eine weitgehende organisatorisch und machtpolitisch abgesicherte Interessenkongruenz existierte nur zwischen der sowjetischen Besatzungsmacht und den deutschen Kommunisten. Der Keim des schließlich unversöhnlichen Streits ergab sich zunächst nicht aus der Parteigängerschaft für ein Lager im „Kalten Krieg“. Schon bevor sich die Konturen der neuen Weltnachkriegsordnung deutlich herausgeschält hatten, sahen sich die Frauen und M...

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