Show Less
Restricted access

Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

Series:

Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
Show Summary Details
Restricted access

Die zuständigen Diensteinheiten des MfS Andreas Petersen

Extract

| 88 →

Für die West-Berliner Polizei zuständige Diensteinheiten des MfS

von Andreas Petersen

Die Inoffiziellen Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes bei der West-Berliner Polizei wurden überwiegend von der Abteilung VII der Verwaltung Groß-Berlin geführt. Im Gegensatz zu den Unterlagen der Auslandsaufklärung, der Hauptverwaltung A des MfS, sind diese Akten nicht vollständig vernichtet worden, sondern rudimentär überliefert. Dies gilt für die gesamte Linie VII, also für alle fünfzehn Bezirksverwaltungen samt der Hauptabteilung. Der Bestand ist freilich derart ausgedünnt, daß Tobias Wunschik, Mitarbeiter der Abteilung Bildung und Forschung in der Stasiunterlagenbehörde, bei seinen Recherchen zu der erst kürzlich erschienenen Handbuchausgabe der Stasiunterlagenbehörde über die Hauptabteilung VII nicht einmal den Tatbestand erhellen konnte, daß die Agenten der West-Berliner Polizei auf der Berliner Bezirksebene der Abteilung geführt wurden, und es hier ab 1954 sogar ein eigenes Referat für die „Stumm-Polizei“ gab.1

Die Unterlagen sind nicht vereinigungsbedingt, sondern im Laufe von geschäftsmäßiger Aktenentsorgung durch das MfS kassiert worden.2 Die Überlieferung zu den Nachkriegsjahren bis zur Staatsgründung, also die Bestände des NKWD,3 befindet sich im Archiv des heutigen russischen Geheimdienstes FSB in Moskau und ist nicht für die Forschung freigegeben. Die Entwicklung der für die Agenten in der West-Berliner Polizei zuständigen sowjetischen Diensteinheiten muß daher aus einer marginalen Überlieferung, aus Hinweisen in den Kaderakten der Führungsoffiziere und den Unterlagen der Inoffiziellen Mitarbeiter rekonstruiert werden.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.