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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Das Bedrohungsszenario des MfS Andreas Petersen

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Das Bedrohungsszenario des MfS

von Andreas Petersen

„Ich verpflichte mich, dem mir bekannten Vertreter der Deutschen Demokratischen Republik alles mir Bekanntwerdende über Organisation, Veränderung, Bewaffnung und Struktur innerhalb der Stummpolizei, Sonderformationen, Einsatzbereitschaften, alliierter Formationen und Sonderdienststellen zu berichten. Ich verpflichte mich ferner, alles mir zur Kenntnis gelangende über Sabotage und Agententätigkeit, die zum Schaden der DDR von Seiten der westlichen Besatzungsmächte oder dem Reuter-Magistrat in die Wege geleitet werden, gewissenhaft zu berichten.“ So lautete der Standardtext, den Emil Götz auskunftsbereiten West-Berliner Polizisten bei ihrer Verpflichtung für das MfS vorlegte.1 Es ist die Kurzversion der MfS-Sichtweise auf die „Stumm-Polizei“ als einer militärischen und geheimdienstlichen Organisation im Auftrag der Besatzungsmächte und des sozialdemokratisch dominierten Senats zur Schädigung der DDR.

Grundsätzlich erforderte die Vorstellung von der Feindzentrale in der Friesenstraße, und später am Tempelhofer Damm, keine nähere Begründung, leitete sie sich doch aus einer marxistischen Gesellschaftsanalyse ab, die die Polizei als Machtinstrument der herrschenden Klasse begriff. Damit war die Aufklärungs- und Zersetzungsaktivität des MfS legitimiert und als Abwehr des Gegners derart selbstverständlich, daß sie keiner Erklärung oder Richtlinie bedurfte. Ein Grundsatzdokument des MfS zur West-Berliner Polizei gibt es nicht.

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