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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Die Wirkung der „Demokratischen Polizei“ Andreas Petersen

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Die Wirkung der Demokratischen Polizei in West-Berlin

von Andreas Petersen

Anfänglich schafften die Macher der Demokratischen Polizei im Schnitt eine Ausgabe pro Monat. Von 1955 bis 1957 waren es je siebzehn Briefe pro Jahr. Ab August 1955 wechselte das Format auf DIN A5, der Umfang stieg auf acht Seiten. Aber noch immer pflegte man das unperfekte Image, als sei ein engagierter Polizeibeamter in der Freizeit an der Abzugsmaschine zu Werke gegangen. Schon Geschriebenes wurde in nachfolgenden Ausgaben wieder aufgegriffen, der Leser als Kollege angesprochen. Aber die Nachrichten aus der Polizei wurden spärlicher. Artikel, die allein auf Informationen von Inoffiziellen Mitarbeitern beruhten, waren äußerst selten. Teilweise handelten bald ganze Blätter nur von weltpolitischen Vorgängen – was keine gute Voraussetzung für eine besondere Lesemotivation der beschickten Polizisten war –, wie zum Beispiel: „Wir wissen nicht, in welcher Situation sich Berlin morgen befindet“, es ging um das atomare Patt, die Stadt als Vorposten der Nato, das schwindende Interesse der Bürger, die (zu großen) Opfer im Kriegsfall.1

Nach anderthalb Jahren katapultierte ein eher kleiner Vorfall die Zeitschrift ins Rampenlicht der West-Berliner Öffentlichkeit. Anfang Dezember 1955 wurde in einer kleinen, fast zu überlesenden Notiz ein Vorfall erwähnt, bei dem Stadtrat Peters in angetrunkenem Zustand in seinem Auto in Wilmersdorf angehalten wurde und auf dem Revier seinen Ausweis abgeben musste. Hans Peters war Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. In der Berichterstattung der Tageszeitungen sei, so die Demokratische Polizei, von Peters Ausweiseinzug aber...

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