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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Das MfS beobachtet die „Demokratische Polizei“ Jochen Staadt

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Das MfS beobachtet die Demokratische Polizei

von Jochen Staadt

Der DDR-Staatsicherheitsdienst lieferte seit 1954 den Blattmachern der Demokratischen Polizei eine erheblichen Teil der internen Informationen aus dem West-Berliner Polizeiapparat, die sich in zahlreichen Enthüllungsartikeln der Zeitschrift niederschlugen. Zugleich aber beargwöhnten die mit West-Berliner Polizeidingen befaßten MfS-Leute, die West-Propaganda der konspirativen Sondergruppe im Präsidium der Berliner Volkspolizei. Ende der 1950er Jahre begann der Staatssicherheitsdienst damit, kritische Informationen über die „Zersetzungsarbeit“ der Volkspolizei zu sammeln. Nach wiederholten Anläufen gelang es dem MfS schließlich, die Kontrolle über die Demokratische Polizei zu erlangen. In den Überlieferungen der „Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe“ des MfS fanden sich zwei Aktenbände, mit dem MfS-Material zur Demokratischen Polizei.1 Aus dieser Überlieferung geht die Entwicklungsgeschichte des Blattes von 1954 bis zu seiner Einstellung im Jahr 1971 hervor.

Die Politische Verwaltung des Polizeipräsidiums in Ost-Berlin begann demnach unter Anleitung des damaligen Volkspolizeipräsidenten Waldemar Schmidt im Januar 1950 „mit der Zersetzungsarbeit innerhalb der Westberliner Polizei“.2 Zunächst wurden an 800 West-Berliner Polizisten, deren Adressen sich in den Personalunterlagen des Ost-Berliner aus der Zeit vor der Polizeispaltung befanden, Flugblätter versandt. Als Verfasser zeichneten „Die Friedensfreunde der Westberliner Polizei“ verantwortlich. Auch gefälschte Ausgaben der Gewerkschaftszeitschrift Deutsche Polizei wurden dem gleichen Empfängerkreis zugestellt. Im Juli 1954 unterstellte der damalige DDR-Innenminister Willi Stoph die „Zersetzungstätigkeit“ in der West-Berliner Polizei Oberst Hermann Dünow, Hauptabteilungsleiter in der „Politverwaltung“ der Volkspolizei (HVdVP). Zur Abdeckung innerhalb...

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