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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Die NS-Kampagnen gegen die West-Berliner Polizei Lutz Prieß

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Die NS-Kampagnen von SED und MfS gegen die West-Berliner Polizei

von Lutz Prieß

Das MfS war seit Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre maßgeblich an DDR-Kampagnen gegen die Polizeiführung von West-Berlin beteiligt. Zentrales Thema dieser auf die westliche Öffentlichkeit zielenden Kampagnen waren Veröffentlichungen über tatsächliche oder angebliche NS-Belastungen von Angehörigen der West-Berliner Polizei in DDR-Zeitungen, aber auch regelmäßig in der Demokratischen Polizei.

Die SED mußte ständig von Defiziten im eigenen Land ablenken. Sie sah in der Tatsache, daß in staatlichen Bereichen der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin, wie z. B. in der Justiz, bei den Geheimdiensten und der Polizei ehemalige NSDAP-Mitglieder, Angehörige von SS und Gestapo tätig waren, eine willkommene Angriffsfläche. Die 1958 in der Bundesrepublik geschaffene „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ mit Sitz in Ludwigsburg setzte die DDR noch mehr unter Rechtfertigungsdruck, um ihren Anspruch als „antifaschistisch-demokratischer“ Staat aufrechtzuerhalten.

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