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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Kurras Jochen Staadt

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Kurras

von Jochen Staadt

Der 2. Juni 1967 ist ein Schlüsseldatum in den Erinnerungswelten der 1968er-Generation. Mit diesem Datum begann die antiautoritäre Studentenrevolte. Mit diesem Datum begann aber auch die Eskalation der Gewalt. Die Erschießung des FU-Studenten Benno Ohnesorg durch den West-Berliner Polizeiobermeister Karl-Heinz Kurras rechtfertigt für viele Alt-68er bis heute die damalige Bereitschaft zur politischen Gewaltanwendung als Notwehr und „Gegengewalt“. Am Abend des 2. Juni 1967 begab sich eine Gruppe aufgeregter junger Leute, darunter Gudrun Ensslin, in das Berliner SDS-Zentrum am Kurfürstendamm. Gudrun Ensslin forderte, jetzt müsse man sich Waffen beschaffen, um gegen „die Faschisten“ gewappnet zu sein. Zur Waffenbeschaffung müßten sofort Polizeikasernen gestürmt werden. Erst nach einer vierstündigen Diskussion gelang es einigen älteren SDS-Leuten, die jungen Radikalen von dem Vorhaben abzubringen.1

Abb. 22: Foto aus der Kontaktstreifensammlung des MfS.

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