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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Die Federführung wechselt Jochen Staadt

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Die Federführung wechselt

von Jochen Staadt

Überwachung der West-Berliner Polizei durch die HA I seit 1972

Nachdem die Abteilung VII der Bezirksverwaltung Groß-Berlin des MfS ihre Zuständigkeit für die Bearbeitung der West-Berliner Polizei 1972 abgegeben hatte, übernahm diese Aufgabe die Hauptabteilung I des MfS als federführende Diensteinheit. Ausschlaggebend hierfür war der Ministerbefehl Nr. 31/72 „über die Grenzaufklärung der Hauptabteilung I des Ministeriums für Staatssicherheit“ vom 14. Juli 1972. In diesem von Erich Mielke unterzeichneten Grundsatzdokument hieß es: „In den Plänen und Handlungen des Gegners nehmen der Raum an der Staatsgrenze der BRD zur Deutschen Demokratischen Republik, das Küstenvorfeld und das unmittelbare Grenzvorfeld Westberlins zur DDR einen besonderen Platz ein.“ Diesem Raum sei in Friedens- und Spannungszeiten eine „besondere operative Aufmerksamkeit“ zu widmen. Dieser Aufgabe habe die Hauptabteilung I durch ihre Aufklärungsarbeit nachzukommen. „Die Grenzüberwachungsorgane der BRD und Westberlins sind auf politische und militärische Provokationen spezialisierte Organe, die in Spannungs- und Konfliktsituationen ein zusätzliches militärisches und polizeiliches Kräftepotential für den Gegner darstellen.“ Mielkes Befehl wies die HA I an, „bis zur einer Tiefe von 50 km feindwärts der Staatsgrenze West der DDR“ Einrichtungen der Bundeswehr, der NATO, des Zoll und Bundesgrenzschutzes, der Bayerischen Grenzpolizei, die an der Ostseeküste tätigen Grenzüberwachungsdienststellen „sowie die in der Grenzüberwachung tätigen Kräfte Westberlins und der westalliierten Besatzungsgarnisonen aufzuklären“. Auch die Tunnelbekämpfung...

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