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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Hauptabteilung II (HA II) Jochen Staadt

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Hauptabteilung II (HA II)

von Jochen Staadt

Die Spionageabwehr des MfS interessierte sich ebenso wie die Hauptverwaltung Aufklärung vor allem für den Bereich des Staatsschutzes in der West-Berliner Polizei und das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV). Es gelang der HA II in den 1970er Jahren, einen Informanten in die West-Berliner Kriminalpolizei einzuschleusen. Die Kontaktaufnahme zu Michael F. erfolgte am 23. April 1967 in der Grenzübergangsstelle (GÜSt) Drewitz. F., geboren am 29. Dezember 1945 in Berlin, nutzte häufig die Transitstrecke, da er in Dortmund studierte und seinen festen Wohnsitz bei seiner Mutter in West-Berlin beibehalten hatte. Er war im achten Semester und hatte zuvor in Tübingen studiert. Den Studienabschluß wollte er in Berlin machen. Er erregte die Aufmerksamkeit der DDR-Paßkontrolleure, da er einen West-Berliner Reisepaß mit sich führte. Er äußerte sich kritisch zur großen Koalition und zu den Notstandsgesetzen und trat für die Anerkennung der DDR ein. Angeblich hatte er Walter Ulbrichts Referat zum VII. Parteitag im Radio gehört. Er schätze die weitere Verbesserung des Lebensstandards in der DDR positiv ein, erklärte er gegenüber Oberleutnant Ludig und dem Leiter der Paßkontrolleinheit Hauptmann Verch. Letzterer merkte handschriftlich in dem Bericht an: „Objektvorgang registriert“, „Fahndung eingeleitet“ und „Möglichkeit der Kontaktierung“. Ermittler der HA VIII suchten in West-Berlin die Wohnadresse Michael F.s auf. Seine Mutter schlug ihnen die Tür vor der Nase zu, vermutlich weil sie sie für...

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