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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Hauptabteilung VI und West-Berliner Polizei Tobias Voigt

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Hauptabteilung VI und West-Berliner Polizei

von Tobias Voigt

Die Hauptabteilung VI hatte ihren Dienstsitz nicht in der Zentrale des Staatssicherheitsministeriums in Berlin-Lichtenberg, sondern im Stadtbezirk Treptow, im Südwesten Ost-Berlins. Mit einem Bestand von gut 2 000 Mitarbeitern war sie eine der personalstärksten Diensteinheiten des MfS. Die hohe Zahl der Beschäftigten ergab sich aus ihrem umfangreichen Aufgabengebiet. Der HA VI oblagen Kontrolle und Überwachung des gesamten Reise- und Transitverkehrs, des Tourismus in der DDR und des grenzüberschreitenden Tourismus in das „sozialistische“ sowie in das „kapitalistische Ausland“. Neben reiner Datenerfassung und Speicherung fahndete die Abteilung im Reiseverkehr nach verdächtigen Personen, führte Observierungen durch und war für die „operative Aufklärung“ der Grenzübergangsstellen (GÜSt) zum Bundesgebiet und nach West-Berlin verantwortlich. Vor allem letzteres berührte die Arbeit der West-Berliner Polizei, denn das MfS betrachtete die Grenzübergangsstellen als eine Art feindlichen Vorposten und als Einfallstor in das eigene Staatsgebiet. Alles, was sich dort tat, jede noch so kleine Veränderung auf westlicher Seite – des Personals, der Baulichkeiten oder der Dienstabläufe –, wurde vom MfS wahrgenommen und minutiös registriert.

An den Grenzübergängen arbeiteten Mitarbeiter der Paßkontrolleinheiten (PKE), allesamt hauptamtliche MfS-Angehörige, die zur Tarnung mit Uniformen der NVA-Grenztruppen bekleidet waren. Die PKE – Untergliederungen der Abteilung Paßkontrolle (PK) der HA VI – waren nicht, wie im MfS üblich, in Referate, sondern ganz militärisch in Züge aufgeteilt. In Ost-Berlin gab es sieben...

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