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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Arbeitsgruppe XXVII (AG XXVII) Tobias Voigt

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Arbeitsgruppe XXVII (AG XXVII)

von Tobias Voigt

MfS-Berufspendler im „Operationsgebiet“

Im Juni 1972 trat eine Vereinbarung zwischen der Regierung der DDR und dem West-Berliner Senat über die „Erleichterungen und Verbesserungen des Reise- und Besucherverkehrs“ in Kraft. In der Folge wurden in mehreren West-Berliner Bezirken Büros eingerichtet, in denen West-Berliner Besuchsreisen in die DDR beantragen konnten. In diesen Büros arbeiteten Angestellte des Senats, getrennt von den Mitarbeitern aus Ost-Berlin. Tagein tagaus wurden die DDR-Angestellten allmorgendlich aus Ost-Berlin zu den Büros gefahren und nach Dienstschluß wieder zurückgebracht. Der Transfer erfolgte mit DDR-Fahrzeugen. Zudem gab es einen Kurierdienst – auch der wurde mit Ost-Personal und DDR-Fahrzeugen sichergestellt. Teil der Vereinbarung war die ständige Begleitung aller Transporte durch West-Berliner Polizeiangehörige im westlichen Stadtgebiet, von den Grenzübergangsstellen bis zu den Besucherbüros und nach Dienstschluß zurück. Diese „Begleiter“ bzw. „Kurierbegleiter“ wurden von den DDR-Angestellten, die in Wirklichkeit hauptamtliche MfS-Mitarbeiter waren, auf das Genaueste beobachtet.

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