Show Less
Restricted access

Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

Series:

Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
Show Summary Details
Restricted access

Hauptabteilung VII (HA VII) Tobias Voigt

Extract

| 395 →

Hauptabteilung VII (HA VII)

von Tobias Voigt

Die Hauptabteilung VII des MfS war bis 1972 auch die übergeordnete zentrale Diensteinheit der Abteilung VII Groß-Berlin, deren Tätigkeit gegen die West-Berliner Polizei weiter oben für den Zeitraum 1945 bis 1972 ausführlich beschrieben ist. Die Abteilung VII der MfS-Bezirksverwaltung Groß-Berlin gab 1972 die Zuständigkeit für die West-Berliner Polizei an die von 1972 bis 1989 dafür federführende Hauptabteilung I des MfS ab. Die im Gebäudekomplex der MfS-Zentrale in Berlin-Lichtenberg ansässige Hauptabteilung VII hatte die Hauptaufgabe, das DDR-Innenministerium (MdI) abzusichern. Damit war die HA VII auch für die Überwachung der Deutschen Volkspolizei (DVP), für die Zivilverteidigung, das Deutsche Rote Kreuz der DDR und die Staatliche Archivverwaltung zuständig. Hinzu kamen die Absicherung des Strafvollzugs und des Zuzugs bzw. der Rückkehr von Personen aus dem Westen. Bei der Sicherung der Grenzen und der grenznahen Räume arbeitete die HA VII eng mit der Deutschen Volkspolizei (DVP) zusammen.

Bis 1983 erstreckte sich die Arbeit der HA VII auch auf das Gebiet der Bundesrepublik – im Sprachgebrauch des MfS als „Operationsgebiet“ bezeichnet. Die HA VII war bis dahin verantwortlich für die Bearbeitung der Notaufnahmelager bzw. Durchgangsheime in Berlin-Marienfelde, in Gießen und Uelzen und setzte dort auch Inoffizielle Mitarbeiter ein. Zudem bearbeitete die HA VII solche „Feindorganisationen“ wie die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGFM) oder „Hilferufe von drüben“. Im Jahre 1983 wurden diese...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.