Show Less
Restricted access

Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

Series:

Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
Show Summary Details
Restricted access

Hauptabteilung VIII (HA VIII) Jochen Staadt.

Extract

| 401 →

Hauptabteilung VIII (HA VIII)

von Jochen Staadt

Laut BStU-Handbuch1 bestanden die Aufgaben der HA VIII in der Bekämpfung der „feindlichen Einrichtungen, Institutionen, Organisationen und Personengruppen“ in der DDR und in Westdeutschland. Im Januar 1989 arbeiteten in der HA VIII 1 509 und in den Bezirksabteilungen VIII 2 960 hauptamtliche MfS-Mitarbeiter.2 Neben diesen 4 469 hauptamtlichen MfS-Leuten unterstanden der Hauptabteilung noch 1 198 Inoffizielle MfS-Mitarbeiter (IM) und in den Bezirksverwaltungen weitere 3 500 IM.3

In den 1970er und 1980er Jahren war die HA VIII/6 für „operative Beobachtungen im Operationsgebiet“ zuständig. In ihrer Aufgabenstellung ähnelte die HA VIII/6 zunächst der HA VIII/1, was beispielsweise die Observation von Zielpersonen und Objekten betraf. Während sich die Beobachtungsaufgaben der HA VIII/1 auf das DDR-Gebiet beschränkten, operierte die HA VIII/6 im Ausland – zu 60 Prozent in West-Berlin, zu 30 Prozent in der Bundesrepublik und zu zehn Prozent in anderen westeuropäischen Staaten. Die HA VIII/6 führte für andere MfS-Diensteinheiten, darunter die HA I, in West-Berlin Beobachtungsaufträge aus. Diese galten vielfach auch der West-Berliner Polizei, ihren Einrichtungen und einzelnen Polizeibeamten. Die HA VIII/6 verfügte in West-Berlin über 56 inoffizielle Ermittler. Diese lieferten der HA VIII/6 je nach Auftrag detaillierte Berichte und Fotos über „Zielpersonen“, versuchten deren berufliche Verbindungen und privaten Kontakte festzustellen sowie ihr Wohnumfeld „aufzuklären“.4 Auch wenn West-Berliner Polizisten Ost-Berlin oder Verwandte und Bekannte in der DDR besuchten, kamen die Observationsgruppen der HA VIII zum...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.