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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Abteilung XII (HA XII) Jochen Staadt

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Abteilung XII (HA XII)

von Jochen Staadt

In den frühen 1970er Jahren verfügte das MfS bereits über eine Personalkartei (Kerblochkartei) der West-Berliner Polizei, in der 7 209 Polizeibeamte mit Angaben zur Dienststellung und Privatadressen erfaßt waren. Nach der Einführung der EDV-Erfassung und der Ausweitung der Zuständigkeit für die West-Berliner Polizei auf mehrere MfS-Diensteinheiten gelang dem MfS bis Ende der 1980er Jahre eine wesentlich weitergehende Registrierung der im West-Berliner Polizeidienst Beschäftigten. Für die Datenerfassung war die Abteilung XII des MfS mit Sitz in der Berliner Zentrale zuständig, in der zuletzt 344 Mitarbeiter beschäftigt waren. Hier erfolgten die Führung von Karteien und Archiven sowie die elektronische Datenverarbeitung. Das EDV-Projekt SAVO [System der automatischen Vorauswahl] des MfS ermöglichte seit 1975 die Erfassung und automatische Auskunftserteilung ← 457 | 458 → über Personendaten. Bis zuletzt wurde das System ständig ausgebaut. Für DDR-Bürger kam die Erfassung ihrer Personenkennzahl (PKZ) hinzu, für Ausländer die Staatsbürgerschaft. Gelöscht wurden seit 1980 Zug um Zug die bis dahin gespeicherten gelöschten Strafen (SK) und die Westfahndungserfassung (F). Bis Mitte 1986 wurden Anfragen zu Personendaten in 41 Prozent der Vorgänge automatisch beantwortet. Dieser Anteil sollte durch Modernisierungsmaßnahmen im EDV-System weiter erhöht werden. Bis Ende März 1987 waren insgesamt 5 651 724 Personendaten im EDV-Speicher erfaßt. Aus einer von Abteilungsleiter Oberst Heinz Roth verfaßten Information vom 3. März 1987 geht hervor,...

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