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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Nachbemerkung Jochen Staadt

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Nachbemerkung

Von Jochen Staadt

In diese Untersuchung über die MfS-Tätigkeit gegen die West-Berliner Polizei sind kriminelle Übergriffen des MfS auf Personen im Westteil der Stadt nicht einbezogen worden, obgleich das strafbare Handlungen im Verantwortungsbereich der West-Polizei waren. Das betrifft Entführungen von politischen Gegnern des SED-Regimes und die Verschleppung von geflüchteten MfS-Mitarbeitern in den Ostsektor, die sich vor dem Mauerbau ereignet haben. In zwei Fällen waren davon jedoch auch West-Berliner Polizisten betroffen.

Das Totenbuch Erschossen in Moskauüber die deutschen Opfer des Stalinismus, die zwischen 1950 und 1953 auf dem Moskauer Friedhof Donskoje verscharrt worden sind, enthält Kurzbiografien dieser beiden Westpolizisten. Wachtmeister Herbert Krause, geboren am 28. August 1930 in Berlin wurde demnach am 25. Juli 1950 unter ungeklärten Umständen in Ost-Berlin verhaftet. Ein Sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn am 25. November 1951 wegen Spionage zum Tode. Das Urteil wurde nach Ablehnung eines Gnadengesuchs am 20. Februar 1951 in Moskau vollstreckt.1 Polizeiinspektor Kurt Schulze, geboren 1916 in Luckenwalde, Leiter der Polizeiwache 218 in Berlin-Britz, wurde am 3. Mai 1951 während einer Ausweiskontrolle auf dem Bahnhof Dreilinden festgenommen. Ein Sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn am 30. August 1951 ebenfalls wegen Spionage zum Tode. Nach der Ablehnung seines Gnadengesuches durch das Präsidium des Obersten Sowjets wurde Kurt Schulze am 19. Dezember 1951 im Moskauer Butyrka-Gefängnis erschossen.2 Die Hauptstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitierte 1995 Wachtmeister Herbert Krause auf Antrag der Deutschen Botschaft in Moskau....

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